Gardelegen l Die Altmark ist dünn besiedelt und ländlich geprägt. Sie ist ebenso eine alte deutsche Kulturlandschaft. In der Weite der Landschaft gibt es Schlösser und Herrenhäuser, Gärten und Parks, alte Hansestädte und Backsteingotik. „Wir wollen, dass diese Schönheiten entdeckt werden“, sagt Intendant Reinhard Seehafer. Da passt das diesjährige Motto der Festspiele bestens: „Altmark, Du Schöne!“ sind sie überschrieben.

Den Machern, die sich 2014 zur Gründung der Festspiele zusammenfanden, ging es damals wie heute um kulturelle Angebote auf dem weiten Land. Renommierte Ensembles und Solisten wurden von Anbeginn engagiert, die auf Gutshöfen, in kleinen Dorfkirchen, auf Burgen, im Rinderstall spielten. Kultur an besonderen Orten eben. Der Buchsbaumgarten von Kalbe wird auch wieder bespielt.

54 Konzerte sind geplant

Auch zur fünften Auflage hat sich daran nichts geändert. Nur: das Festival wird von Jahr zu Jahr größer. 54 Konzerte sind 2018 geplant. Im Premierenjahr waren es noch elf. Dafür braucht es weitere Orte und neue Mitstreiter. Seehafer erzählt, dass sich die insgesamt 27 Festivalorte erstmals über die ganze Altmark verteilen – vom Wendland im Norden bis an die Elbe im Osten und die Hügellandschaft Drawehn im Westen.

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Mehr als 5000 Besucher

Mittendrin liegen mehrere neue Lokalitäten: der Arendsee, der Gutshof Wellen, das Kloster Neuendorf, das Schloss Döbbelin, die alte Zuckerfabrik Goldbeck, auch Karow im Jerichower Land, das zwar nicht mehr zur Altmark zählt, sich aber mit seiner Barockkirche, dem Schloss und dem Park bestens für das am 4. August geplante barocke Trompetenkonzert anbot. Immer mehr engagierte Partner wollen sich beteiligen am Kunst-Kultur-auf-dem-Lande-Angebot.

„Anfangs mussten wir viel werben, heute werden wir gefragt, wie man sich einbringen kann“, freut sich der Intendant, der gern andere an seiner Vision teilnehmen lässt, wie mit immer größerem bürgerschaftlichen Engagement die Festspiel­idee weitergetragen werden kann. Seehafers Wunsch ist ein Kulturfestival, das getragen wird von den Menschen, von einer ganzen Region. Wenn er darüber sinniert, dann redet er von der Hoffnung, dass die Altmärker wie selbstverständlich von „unserem Kulturfestival“ reden.

Deutlich mehr Besucher

Die Statistik zeigt: Deutlich mehr Besucher, ihre Zahl überstieg im vergangenen Jahr die 5000er Marke, deutlich mehr Förderer. Die Akzeptanz sei größer geworden, sagt der Intendant und erzählt von den Regensburger Domspatzen, die am 15. Juli in Tangermünde singen werden und für die Gasteltern gesucht werden mussten. Innerhalb von 14 Tagen waren alle 58 Knaben untergebracht.

Die Regensburger Domspatzen gehören zu den Ensembles, die auftreten werden. Ebenso die Berliner Symphoniker, die Magdeburgische Philharmonie, das Percussion-Duo Double Beats, das Xenon-Saxophon-Quartett, Pust – Six Voices aus Norwegen. Seehafer will sich nicht dazu hinreißen lassen, einzelne Konzerte herauszustellen. Dann nennt er aber doch den 3. Juni, der mit „Ein Tag auf Schloss Letzlingen“ überschrieben ist und mit einem Programm über Victoria von Preußen (Kaiserin für 99 Tage) beginnt und dem Konzert von „Septura“ endet. Die sieben Männer der Formation sind allesamt Solobläser der besten englischen Orchester. Sie haben gerade eine Amerika-Tournee hinter sich und spielen jetzt wieder in London. Zum Festspiel-Auftritt geht es von der britischen Hauptstadt, wo Victoria 1840 geboren wurde, nach Letzlingen.

Seehafer hebt diesen Letzlingen-Tag hervor, weil er für den Gedanken der Festspiele stehe: „Wir wollen eine Symbiose zwischen Spielort und Programm.“ Ins Jagdschloss, das letzte erhaltene Hohenzollern-Schloss in Sachsen-Anhalt, luden einst im Spätherbst die Preußenkönige zu den Letzlinger Hofjagden. Alexander II. von Russland und prominente Staatsmänner wie Otto von Bismarck reisten in die wald- und wildreiche Gegend. „Wir haben die beiden Veranstaltungen auf Ort und Gebäude zugeschnitten“, sagt Seehafer.