Magdeburg l „Weil ich geboren wurde“ ist die Ausstellung überschrieben, die am Sonntag (15 Uhr) eröffnet wird – nicht in den Ausstellungsräumen, sondern in der Klosterkirche, der heutigen Konzerthalle. Dort hat sich Martin Assig schon vor einigen Monaten mit einem 100-Quadratmeter-Kunstwerk verewigt. Begehbar. Bespielbar. Am Sonntag wird auf dem Bodenbild getanzt.

Schlaufen und Schlangenlinien sind dort zu sehen, zwischendrin Textfragmente und Symbole. Erläuft man diese Kunst, sieht man sich in einem Labyrinth, angelehnt an französische Kathedralen (und auch vor dem Magdeburger Dom zu finden).

Wer das Bodenbild als Ausgangspunkt nimmt, wird in der Ausstellung von dessen Werdegang erfahren und den anfänglichen Ideen der abgestorbenen Bäume und der Wellen, die an die nahegelegene Elbe erinnern sollen. Und er wird den Schlangenlinien wiederbegegnen, vor allem aber Wörtern und kurzen Texten. Assigs Kunst steht für diese Verbindung zwischen Sprache und Bild. Er selbst nennt sie „imaginäres Gespräch mit dem Betrachter“.

Textfragmente zu existenziellen Fragen

„Himmel auf Erden“. „Mit ins Grab nehmen“. „Als ob man nicht da ist“. „Auf die Welt gekommen“. „Werde ich sehen?“ Mal sind die Lettern bildbeherrschend, wie auf den Tempera-auf-Farbe-Papieren aus dem Zyklus „St. Paul“ von 2019. „Lebe“ steht dort und „Ewig“. Anderes ist recht minimalistisch und so klein, dass der Betrachter fast schon zum Suchen aufgefordert wird.

Aber egal wie dominant: „Die Worte, die der Künstler verwendet, sprechen uns als Betrachter sofort an“, sagt Museumsleiterin Annegret Laabs. „Wir sind Teil der Arbeit. Das macht die Faszination dieser Bildwelt aus.“ Auf der Einladungskarte steht „Für immer“ und mit etwas Abstand ein Ausrufezeichen.

Der Künstler, der 1959 in Nordrhein-Westfalen geboren wurde und heute in Berlin und im brandenburgischen Brädikow wohnt und arbeitet, redet mit Blick auf die Textfragmente von existenziellen Fragen unseres Daseins. Ihm selbst sei durch eine gesundheitliche Krise die Endlichkeit des Lebens sehr klar vor Augen geführt geworden. Es könne sich immer alles ändern, sagt er. Deshalb werde auch nach außen hin unvereinbar Scheinendes in dieser Ausstellung nebeneinander gezeigt. Geburt, Leben, Tod – die uns beherrschenden Themen auch auf den 200 dicht gehängten Arbeiten, von denen der Maler mehr als 1000 geschaffen hat. Es ist wie eine Art künstlerisches Tagebuch. Er hat selbst eine Wand in seinem Atelier, in der 40, 50 dieser Arbeiten hängen, die erneuert werden – wenn der Tag wieder etwas neues Malenswertes schreibt. Assig: „Es sind Blicke in den Kopf und in die Seele.“ Da sei auch der große Wunsch zu bleiben, alles zu haben, nichts zu verpassen. Alles, alles, alles. „Das geht nicht“, sagt er. Ein Jammern will er nicht gelten lassen.

So verschieden die Themenwelt, so unterschiedlich der Farbeinsatz. Wachsfarben, Buntstifte, Tempera bringen mannigfaltige Farbigkeit in die Schau. Assig greift in die Vollen und erzählt auch von dem herrlichen Gefühl, in die prall gefüllte Schachtel mit all der Pastellkreide greifen zu können. „Ich habe nicht die Idee, einen Farbkanon zu schaffen“, sagt er, und erzählt, wie wichtig es ihm sei, Kraft, Vitalität, auch die Idee der Freiheit darzustellen.

400 Zeichnungen sind zu sehen

Die Ausstellung „Weil ich geboren wurde“ zeigt ein gewaltiges Konvolut insbesondere neuer Arbeiten. Laabs spricht von einer „außergewöhnlich umfangreichen Ausstellung“. Rund 400 Zeichnungen sind zu sehen, in sehr verschiedenen Größen.

Assig muss hochproduktiv sein, wenn man die erstaunliche Menge der neuen Werke sieht. „Bin ich“, antwortet er auf eine entsprechende Frage. „Es macht mir Spaß zu arbeiten.“

Am Sonntag ist er wieder vor Ort, wenn die Ausstellung eröffnet wird. Bis zum 1. September werden seine Arbeiten zu sehen sein.

Geöffnet dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags bis 18 Uhr. Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.