Rio de Janeiro (dpa) - Als architektonische Utopie geplant, gilt sie heute als gescheitert: Im Stillen hat die brasilianische Hauptstadt Brasília am Dienstag an ihren 60. Geburtstag erinnert.

Geplant war zwar ein volles Programm, doch wegen der Corona-Pandemie wurde es um mindestens drei Monate verschoben oder ins Internet verlegt - etwa die Messe aus der weltbekannten Kathedrale, die der berühmte Architekt Oscar Niemeyer wie alle öffentlichen Gebäude Brasílias entworfen hat. 

Als der damalige Präsident Juscelino Kubitschek Brasília am 21. April 1960 einweihte, symbolisierte die Stadt eine neue Zeit in Brasilien: Eine neue Hauptstadt inmitten der nahezu unbewohnten und staubtrockenen Zentralregion Brasiliens, mehr als 900 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt. Entworfen von dem Stadtplaner Lúcio Costa und in nur vier Jahren erbaut von Arbeitern aus dem Nordosten.
Es herrschte damals Aufbruchstimmung im Land.

Lúcio Costa hatte die Stadt in Form eines Kreuzes angelegt, mit einer monumentalen Achse - wo sich die Esplanade der Ministerien befindet - und den Flügeln zum Wohnen. Das Projekt des "Plano Piloto" - in etwa mit "Leitplan" zu übersetzen - unterteilte die Stadt auch in spezielle Bereiche nach ihren Funktionen. Den Hotel-, den Banken-, den Unternehmenssektor. Die Straße haben keine Namen; Adressen bestehen aus Koordinaten.

Einst geplant für 500.000 Menschen, von denen alle sozialen Schichten den gleichen Raum teilen sollten, leben heute drei Millionen im Bundesdistrikt Brasília. Innerhalb des "Plano Píloto" ist der Lebensstandard dabei so hoch wie in Europa; in den riesigen Satellitenstädten leiden die Bewohner unter fehlender Planung, ineffizientem öffentlichen Transportsystem und Gewalt.

Die Zeitung "Jornal do Brasil" schrieb zum Geburtstag von der "utopischen Stadt, die die sozialen Unterschiede eliminieren wollte, aber ein Spiegel der Ungleichheiten Brasiliens wurde."

Bericht Agência Brasil

Bericht Jornal do Brasil

Bericht Folha de S. Paulo