Berlin (dpa) - Kafkas Briefe an seine Lieblingsschwester Ottla, die legendären Tagebücher Alexander von Humboldts oder die Welfen-Pokale aus der Kunstkollektion von Ives Saint Laurent - ohne die Hilfe der Kulturstiftung der Länder wären Schätze wie diese womöglich auf immer für das nationale Kulturerbe verloren gewesen.

1988 als "Einkaufsgemeinschaft" der Bundesländer gegründet, hat die Stiftung seither den Erwerb von mehr als 1000 wertvollen Kunstwerken und Kulturgütern unterstützt. Am Freitag (14. Dezember) wird in der Hamburger Landesvertretung in Berlin 30. Geburtstag gefeiert.

"Die Gründungsidee war eine Solidargemeinschaft, um auch Ankäufe tätigen zu können, die ein oder zwei Partner allein nicht bewältigen können", erläutert Markus Hilgert, der seit einem halben Jahr an der Spitze der Stiftung steht. "So sollen national wertvolle Kulturgüter vor der Abwanderung in Ausland geschützt werden."

Anfangs waren Bund und Länder gemeinsam an der Finanzierung beteiligt. Inzwischen hat der Bund eigene Ankaufsfonds, die 16 Länder tragen "ihre" Stiftung allein. 10 Millionen Euro im Jahr lassen sie sich die Aufgabe im Augenblick kosten, aufgeteilt nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel: große und reiche Länder zahlen mehr, kleine entsprechend weniger.

In aller Regel werden die Ankäufe gemeinsam mit anderen Partnern gestemmt. So brachten die Länder in den bisher 30 Jahren mehr als 170 Millionen Euro auf. Gemeinsam mit den verschiedensten öffentlichen und privaten Mitförderern konnten damit Werke im Wert von rund 640 Millionen Euro erworben werden.

Zu den Highlights gehören Schätze wie die älteste Handschrift des Nibelungenlieds, Meisterwerke von Hans Holbein bis Gerhard Richter oder eine handschriftliche Partitur von Beethovens Diabelli-Variationen. Eine der jüngsten Erwerbungen war die Skulptur "Die Sinnende" von Wilhelm Lehmbruck für die Staatsgalerie Stuttgart.

Einen Wettlauf gegen die Zeit gab es 2011 beim Ankauf von Kafkas (1883-1924) Korrespondenz mit seiner Schwester Ottilie ("Ottla"). Um ein Haar wären die 111 teils innigen Briefe und Postkarten versteigert worden und damit als Spekulationsobjekt in private Hände gelangt.

In letzter Minute konnten das Deutsche Literaturarchiv in Marbach und die Bodleian Library in Oxford das wertvolle Konvolut zu einem ungenannten Preis gemeinsam vom Markt holen. Kurz darauf wurde es erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Für Hilgert ist das ein unerlässlicher Teil der Aufgabe. "Als öffentlich geförderte Institution haben wir die Verantwortung, diese national bedeutsamen Kulturgüter zu zeigen, sie möglichst lückenlos zu erforschen und digital für die breite Öffentlichkeit verfügbar zu machen" sagt er. "Es reicht nicht aus, sie einfach nur zu haben. Das wollen wir in Zukunft noch viel mehr als bisher einfordern."

Daneben übernimmt die Stiftung seit langem auch andere Aufgaben. Sie fördert Ausstellungen, die trotz ihrer lokalen Verankerung überregionale oder gar internationale Bedeutung haben. Unter dem Motto "Kunst auf Lager" hat sie fünf Jahre lang ein Bündnis zur Restaurierung gefährdeter Kunstwerke unterstützt.

Und über die Wettbewerbe der Bildungsinitiative "Kinder zum Olymp!" haben in den vergangenen Jahren fast 900.000 Kinder und Jugendliche Literatur, Musik, Tanz, Theater und Kunst kennengelernt - in einer nachhaltigen Kooperation zwischen Kultur und Schule.

Gemeinsam mit dem Bund wird seit 2008 auch die Suche nach NS-Raubkunst in den deutschen Museen, Bibliotheken und Archiven unterstützt. Künftig muss nach Ansicht von Hilgert aber auch die Geschichte von Objekten aus der Kolonialzeit stärker in den Blick genommen werden - eine Debatte, die die Kulturpolitiker sowohl in Frankreich wie auch in Deutschland derzeit umtreibt.

"Hier machen sich die Länder gerade auf den Weg, eine gemeinsame Haltung zu finden", sagt der Generalsekretär. "Als kulturpolitisches Ideenlabor will sich die Stiftung in diesen Diskussionsprozess aktiv einbringen und die Länder bei der Umsetzung gemeinsamer Initiativen unterstützen."

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