Bonn (dpa) - Eine goldene Maske in Form von Katzenschnurrhaaren, kunstvoll gewebte Stoffe, Gefäße mit aufgemalten Tieren und mythischen Figuren: Verschwenderische, kultische Grabbeigaben erzählen von der untergegangenen Kultur der Nasca, die in der Wüste im Süden des heutigen Perus lebten.

Das größte Erbe aber sind ihre gigantischen Bodenzeichnungen, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen.

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt in der archäologischen Ausstellung "Nasca - Im Zeichen der Götter" über 200 Exponate. Sie gibt damit einen Überblick über den Forschungsstand. Die Schau ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Museen in Lima in Peru und Zürich und wird vom 10. Mai bis zum 16. September gezeigt.

"Sie lebten in einer der trockensten Wüsten der Welt - und machten Musik!" Die Ausstellungsmacherin Cecilia Pardo Grau kommt geradezu ins Schwärmen, wenn sie erzählt. Weil es keine schriftlichen Zeugnisse gibt, erzählen die Funde aus den Gräbern vom Leben der Menschen, die von 200 vor Christus bis etwa 650 nach Christus im Süden des Andenstaates lebten. Und weil die Nasca an ein Leben nach den Tod glaubten, statteten sie die Gräber der Toten teilweise verschwenderisch aus.

Bis zu 50 Beigaben entdeckten die Archäologen in einem Grab. Die Mumien wurden zwiebelartig in zahlreiche Textilschichten eingewickelt, die trockene Luft konservierte die Stoffe. Gewebt, teils bestickt erstrahlen diese im Bonner Museum immer noch wie neu in leuchtenden Farben und Mustern. Aufwendig bemalte Krüge, Vasen und Schalen haben die vielen Jahrhunderte unversehrt überstanden.

Die Bildsprache der Nasca ist verständlich: Eine Flasche mit zwei Ausgüssen hat die Form eines Meerschweinchens, ein Gefäß mit Henkel eine Vogelform, eine schmale Vase die einer Maispflanze. Zu den Hinterlassenschaften aus Gräbern gehören auch Pan-Flöten aus Ton oder eine große Trommel mit aufgemalten mythischen Wesen. Eine dieser Figuren scheint zu fliegen, trägt eine Maske und ein Diadem auf dem Kopf.

Das größte Rätsel der Nasca aber sind die gigantischen Zeichnungen auf dem Wüstenboden, die sich auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratkilometer erstrecken. Manche der Linien aus verschiedenfarbigen Steinen zeigen erkennbar Tiere wie Kolibri, Spinne und Affe. Die meisten der Erdgravuren - oder Geoglyphen - aber sind geometrisch. Ihr Ausmaß wurde erst ab 1930 mit dem zunehmenden Luftverkehr entdeckt. Die größte bekannte Figur ist ein Trapez, sie ist 1,9 Kilometer lang.

Die Archäologen sind sicher, dass die Bodenzeichen nicht zum Anschauen, sondern zum Ablaufen gemacht wurden. "Menschen haben sich darauf bewegt, sie haben die Bilder rituell abgeschritten", erklärte die Bundeskunsthalle. Dazu wurde wohl Musik gemacht, keine andere Kultur aus den Anden hat mehr Musikinstrumente hinterlassen als die Nasca.

Für die Ausstellung wurde die Wüstenlandschaft mit Drohnen überflogen. Besucher können die Bodenbilder mit Hilfe von Projektionen auf Geländemodellen sehen. Mit Hilfe von 3D-Brillen kann die Landschaft virtuell überflogen werden.

Ausstellung Nasca

   

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