Naumburg (dpa) - Knapp 70 Vorträge an vier Tagen mit Vertretern aus 19 Nationen: Der Internationale Nietzsche-Kongress in Naumburg (Sachsen-Anhalt) beleuchtet in diesem Jahr das kontroverse Thema "Geschichte und Gedächtnis". Unter dem Titel "Ohne Zukunft, ohne Erinnerung, so sitze ich hier" wollen Experten aus aller Welt von Donnerstag an über Aktuelles zu Thesen des Philosophen sprechen. Das sagte der Leiter des Nietzsche-Dokumentationszentrums, Ralf Eichberg. Friedrich Nietzsche (1844-1900) ist in Naumburg aufgewachsen. Es sei einer der größten Kongresse seit dem Beginn in den 1990er Jahren.

Die Teilnehmer wollen unter anderem Schlagworte wie Historie, Vergesslichkeit, Erinnerung, Tradition und Erziehung mit dem Denken Nietzsches verbinden. "Das Thema hat eine philosophische, aber auch politische und sogar psychologische Dimension", sagt Eichberg.

Nietzsche beschäftigte sich seinerzeit mit Herkunft und kultureller Identität. Das sei auch heute wieder hochaktuell, so der Nietzsche-Experte. Deshalb hätten überdurchschnittlich viele Referenten angeboten, Vorträge auf der Tagung zu halten. "Wir hatten das Glück und die Qual, streng auswählen zu müssen."

Unter den Teilnehmern sind erstmals auch Referenten aus Weißrussland und Indien. Besonders bei jungen Menschen sei das Interesse an Nietzsche gestiegen, betonte Eichberg. Der Kongress sei für diese Teilnehmer eine Art Marktplatz, um mit Gleichgesinnten Ideen auszutauschen oder Thesen für ihre Forschungsarbeiten zu diskutieren.

Viele von ihnen würden den weiten Weg nach Naumburg auf sich nehmen, um zugleich Wirkungsstätten des Philosophen zu sehen. Der Kongress wird unter anderem im historischen Nietzsche-Haus abgehalten.

Laut Eichberg ist der jährlich im Herbst veranstaltete Kongress eines der bedeutendsten Treffen zu Nietzsche weltweit. Etwa die Hälfte der Vorträge werde auf Englisch gehalten. Auch Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund würden die Tagung jedes Jahr besuchen.

Der Internationale Kongress dauert bis zum 14. Oktober. Die meisten Vorträge sind im Nietzsche-Dokumentationszentrum zu hören. Das Zentrum mit eigenem Archiv und großem Tagungssaal wurde 2010 eröffnet. Der Kongress wird von der Friedrich-Nietzsche-Stiftung und der Nietzsche-Gesellschaft veranstaltet.

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