Worpswede (dpa) - Es ist klein, mit Kunst gespickt und reich an architektonischen und landschaftlichen Blickfängen: Worpswede. Die Ortschaft vor den Toren Bremens feiert an diesem Wochenende ihren 800. Geburtstag.

Doch sie ist keineswegs in die Jahre gekommen. Das zeigt ein Streifzug durch die Museums- und Atelier-Landschaft. Und auch die Bremer Kunsthistorikerin Liliane Skalecki sagt: "Worpswede ist ein Ort, der sich Tag für Tag im Aufbruch befindet."

Das kulturtouristische Zentrum des 1218 erstmals urkundlich erwähnten Ortes ist rund um die Bergstraße, auf der auch Souvenirjäger und Kaffeeausflügler gut aufgehoben sind. An der mit Klinker gepflasterten, verkehrsberuhigten Flaniermeile liegen einige der Worpsweder Museen und Galerien. Beispielsweise das älteste Museum des Ortes, die 1919 gegründete Kunsthalle. Der über Jahrzehnte aufgebaute Bestand umfasst alle Worpsweder Malergenerationen und gilt als bedeutendste Überblicksammlung des Künstlerdorfes. Die Kunsthalle ist Teil des Worpsweder Museumsverbundes, zusammen mit dem Haus im Schluh, der Großen Kunstschau und dem Barkenhoff.

Die Große Kunstschau liegt in der Nähe der Kunsthalle. Sie entstand 1927 nach Plänen Bernhard Hoetgers (1874-1949) in einem kleinen Kiefernwäldchen. Herzstück des Museums ist die Rotunde, durch die dosierbares Tageslicht gelangt.

Seit dem Frühjahr hat das Haus mit Jörg van den Berg eine neue künstlerische Leitung. Er hat auch die bis Anfang November laufende Jubiläumsausstellung "Kaleidoskop Worpswede" konzipiert. "Worpswede als Ort ist einzigartig, nicht nur in Deutschland", sagt van den Berg. "Wo sonst gibt es eine 5000-Einwohner-Ortschaft mit einer eigenen Museumslandschaft und einer eigenen Kunstgeschichte?"

Neben den vier zentralen Museen gibt es viele weitere Häuser mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen. "Worpswede ist eine lebendige Künstlerkolonie", sagt die Kulturbeauftragte Klaudia Krohn. Rund 130 Künstler und Kunsthandwerker leben in der Gemeinde.

Und es kommen immer mal Neuzugänge. So wie der Maler und Objektkünstler Peter Klug, der vor zwei Jahren an den Weyerberg zog. "Diese Museumslandschaft, das ist Potenzial", sagt Klug. Zeitgenössische und ältere Kunst begegneten sich in Worpswede durchaus auch konfrontativ, meint er. Es drehe sich nicht alles nur um Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und die erste Worpsweder Malergeneration. Sondern es gebe "junge, frische Kräfte. Da passiert momentan ganz viel", betont Klug.

Beispielsweise in den Künstlerhäusern. Die haben mit dem Projekt "Ausnahmezustand" ein neues Ausstellungsformat angestoßen, das bis Ende September in einem ehemaligen Hotel läuft. "Unser temporärer Projektraum Eichenhof verändert alle zwei Wochen seine Gestalt", berichtet die Leiterin der Künstlerhäuser Katharina Groth. Unterschiedlichste Künstler nutzten das leerstehende Gebäude als ihre Bühne.

Die Worpsweder Sehenswürdigkeiten jenseits der Kunst lassen sich gut per Fahrrad erkunden: Etwa das Naturschutzgebiet Hammeniederung, die Mühle, der Badestrand oder der von Heinrich Vogeler entworfene Bahnhof. Makellos ist aber auch der "staatlich anerkannte Erholungsort" nicht. Davon zeugen etwa einige Bausünden und der starke Durchgangs- und Schwerlastverkehr. Bekannt bleibt der Ort aber vor allem wegen der ersten Malergeneration, die vor fast 130 Jahren die Künstlerkolonie gegründete.

800 Jahre Worpswede

Projekt Ausnahmezustand

   

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