London (dpa) - Das bahnbrechende Werk der Bauhaus-Künstlerin Anni Albers (1899-1994) würdigt die Tate Modern in London in einer großen Retrospektive. Die Schau "Anni Albers" legt die Betonung auf die Vorreiterrolle der deutsch-amerikanischen Künstlerin für moderne Kunst und für Design.

Ihr sei es gelungen, das "uralte Kunsthandwerk der Handweberei mit der Sprache der modernen Kunst zu verbinden" sagte die Tate-Direktorin Frances Morris vor der Eröffnung. Ihre "historische Rolle" und Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen sei fast 100 Jahre nach der Gründung des Bauhaus offenkundig. "Sie war eine Pionierin der Moderne."

In der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen entstand, werden rund 350 Werke aus europäischen Ländern und den USA gezeigt. Erstmals in London zu sehen ist der Wandteppich "Six Prayers" (Sechs Gebete), den Albers als Gedenken an den Holocaust Mitte der 1960er Jahre im Auftrag des Jüdischen Museum New York schuf. Geometrische Formen und leuchtende Farben überwiegen in den Werken. Zeichnungen, Webstühle, Fachliteratur, grafische Arbeiten und Modeschmuck aus Abflusssieb und Büroklammern gehören dazu. "Jeder Wandteppich ist ein Gemälde", kommentierte der "Guardian".

Albers, die 1899 als Annelise Fleischmann in Berlin geboren wurde, begann ihr Studium am Bauhaus in Weimar 1922. Als weibliches Mitglied hätten es "die Umstände" ergeben, dass ihr ein Platz in der Weberei zugewiesen wurde. "Ganz allmählich entfachte der gewebte Faden meine Leidenschaft", sagte Albers selbst einmal dazu. "Ich nutze ihn genauso wie ein Bildhauer oder Maler sein Medium nutzt." Anni und ihr Künstler-Ehemann Josef Albers wanderten 1933 in die USA aus, wo sie am Black Mountain College in North Carolina lehrten und zahlreiche Reisen nach Mexiko, Peru und Chile unternahmen, die Albers' Werk wesentlich beeinflussten.