Köln (dpa) - Der Kölner Werner Mantz (1901-1983) war in der Weimarer Republik ein bekannter Architekturfotograf. Als die Nazis die Macht übernahmen, zog er in die niederländische Stadt Maastricht um und verlegte sich dort auf Porträtfotos, vor allem von Babys und Kleinkindern.

Diese Arbeit galt bisher als reiner Broterwerb - doch nun zeigt das Kölner Museum Ludwig die Porträts erstmals neben den renommierten Architekturfotos aus den 20er Jahren.

Die Gebäude, so sagte Mantz im Rückblick, hätten ihn auf die Babys vorbereitet. Sie lehrten ihn Geduld. Denn vor den Bauhaus-Bauten wartete er oft stundenlang auf das richtige Licht. Die Sonne musste zum Beispiel so stehen, dass sich der Schatten eines Balkongitters genau auf einer hellen Fassade abzeichnete.

Die Kuratorin der Ausstellung, Miriam Halwani, findet, dass von den Porträts eine merkwürdige Stimmung ausgeht. "Mich beschleicht eine große Unheimlichkeit in diesen Werken", sagt sie vor einer Reihe von Kommunionmädchen. Mit ihren bleichen Gesichtern und Rüschenkleidern wirken sie "wie aus einem Horrorfilm".

Dies kann allerdings kaum die Absicht des Fotografen gewesen sein, der von den Eltern bezahlt wurde. Es ist der zeitliche Abstand, der die Wirkung der Bilder verändert. Offen bleibt, ob Mantz zum Beispiel auch das Foto eines weinenden Babys an die Eltern verkaufte - oder es nur für sich selbst abzog. In jedem Fall betrachtete er alle Arbeiten gleichermaßen als künstlerisch und signierte sie.

Auch Mantz' Architekturbilder - die eigentlich zu Werbezwecken entstanden - haben teilweise etwas Beklemmendes. So sind sie stets menschenleer, so als wären ganze Straßenzüge evakuiert oder die Bewohner deportiert worden.

Werner Mantz - Architekturen und Menschen