Paris (dpa) - Der Kunstexperte Werner Spies muss im Fälschungsskandal um ein Gemälde von Max Ernst in Frankreich nun doch keinen Schadenersatz in sechsstelliger Höhe zahlen.

Wie das Berufungsgericht in Versailles am Donnerstag bestätigte, wurde ein Urteil vom Mai 2013 für ungültig erklärt, nachdem Spies zusammen mit einem französischen Galeristen eine Strafe von 652 883 Euro zahlen sollte. Geklagt hatte ein Sammler, der das vermeintliche Ernst-Werk Tremblement de terre gekauft hatte, nachdem von Spies die Echtheit des von Wolfgang Beltracchi gefälschten Werkes bestätigt worden war. Spies gilt weltweit als Experte des deutschen Surrealisten.

Der Autor eines Werkkatalogs über Max Ernst habe nicht dieselbe Verantwortung wie ein Verkaufsexperte, erklärte das Gericht seine Entscheidung. Der 64-jährige Beltracchi wurde in dem spektakulärsten Fall von Kunstfälschung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg im Oktober 2011 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, mit Fälschungen rund 60 Millionen Euro verdient zu haben. Dabei ging es auch um vermeintliche Gemälde des Surrealisten Max Ernst. Sie wurden gegen beachtliche Honorare von Spies für echt erklärt. Von 1997 bis 2000 war der gebürtige Tübinger Direktor des Museums für moderne Kunst im Centre Pompidou.