Leipzig (dpa) - Nach Ärger um die Teilnahme eines AfD-nahen Künstlers ist die 26. Leipziger Jahresausstellung in der Baumwollspinnerei abgesagt worden.

Die "stark politisierte und aufgeheizte Situation" sei Künstlern, Förderern und Besuchern nicht zuzumuten, teilten die Veranstalter auf ihrer Internetseite mit. Die Ausstellung mit mehr als 30 Künstlern hätte am Donnerstag (6. Juni) beginnen sollen.

Künstler Axel Krause zeigte sich am Montag enttäuscht von der Absage: "Während es mir eine Selbstverständlichkeit ist, auch mit Kollegen auszustellen, die ich zu meinen politischen Gegnern zähle, ist einigen jungen Kollegen dies offensichtlich nicht möglich", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Der Jahresausstellungsverein habe sich um politische Neutralität bemüht. "Ich vermute, der Druck der protestierenden revolutionären Jungkünstler war zu heftig", schrieb Krause.

Am vergangenen Freitag hatte der Vorstand des Vereins zunächst bekanntgegeben, dass Krauses Beitrag zur Jahresausstellung ausgeschlossen werden solle. Der 60-Jährige hatte zuvor auf seinem privaten Facebook-Profil Sympathien für die AfD und Kritik an der Flüchtlingspolitik kundgetan. Er ist außerdem Mitglied des Kuratoriums der von der AfD gegründeten Desiderius-Erasmus-Stiftung. "Die öffentlichen Äußerungen Axel Krauses widersprechen den ethischen Grundsätzen unseres Vereins", hieß es in einer Stellungnahme des Vereins. Der sechsköpfige Vorstand hatte außerdem angekündigt, geschlossen zurückzutreten.

Der Künstler Moritz Frei hatte seine Teilnahme an der Jahresausstellung bereits am 12. Mai abgesagt. Axel Krause als ausstellenden Künstler auszuwählen, vermittle ihm den Eindruck der versuchten Rehabilitierung, schrieb er in einem auf seiner Internetseite veröffentlichten Brief.

Kurz bevor der Ausschluss von Krause bekannt wurde, habe auch der Künstler Oskar Schmidt seine Beteiligung abgesagt, sagte Katrin Haucke vom Verein Leipziger Jahresausstellung.

Bereits im August des vergangenen Jahres hatten Krauses politische Ansichten zu Debatten in der Kunstwelt geführt. Damals trennte sich die Leipziger Galerie Kleindienst von ihm. Grund dafür seien seine politischen Äußerungen gewesen, sagte Galerist Christian Seyde am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Ausstellung abzusagen habe eine gewisse Tragweite, sagte Thomas Locher, Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Er begrüßt die Politisierung. "Künstler sind aufgerufen, Stellung zu beziehen", sagte er der dpa am Montag. Auch Künstler, die ihre Werke nicht mit tiefen gesellschaftlichen Inhalten aufladen, seien nun gefordert. "Gewisse Haltungen sind inakzeptabel und menschenverachtend. Die können wir nicht hinnehmen", sagte Locher.

Rechtspopulismus sei kein spezifisch ostdeutsches Phänomen, betonte er. "Angesichts der vergangenen Wahlergebnisse gehen uns bestimmte Haltungen aber besonders nahe." Locher hob in diesem Zusammenhang die Kraft der bildenden Kunst hervor: Dinge würden abgebildet und verhandelt. Der Kunstbetrieb habe eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft - gerade in diesen Zeiten.