Vilnius (dpa) - Großes Kino auf dem Rollfeld: In der Corona-Krise ist auf dem geschlossenen Flughafen von Litauens Hauptstadt Vilnius ein Autokino eingerichtet worden. Wo normalerweise Flugzeuge geparkt, entladen, betankt und bestiegen werden, können sich Kinofreunde mit ihrem Auto nun auf eine filmische Reise begeben. 

Beim "Aerocinema"-Festival sollen Filme aus verschiedenen Ländern auf einer großen Leinwand gezeigt werden, wie die Veranstalter mitteilten. Den Auftakt machte am Mittwochabend eine Vorführung der oscarprämierten Sozialsatire "Parasite" des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho. Organisiert wird das Autokino vom Vilnius International Film Festival (VIFF). 

"Wir möchten ein einzigartiges Erlebnis schaffen. Es ist eine aufregende Erfahrung, auf ein Rollfeld zu gehen, das normalerweise erst nach dem Check-in zugänglich ist", sagte VIFF-Generaldirektor Algirdas Ramaska. "Ich denke, diese Vorführungen werden einen Eindruck beim Publikum hinterlassen, der ein Leben lang anhält."

Das noch den Mai hindurch laufende Projekt sei auch ein "Zeichen der Unterstützung" für die Luftfahrt- und die Filmindustrie, die beide aufgrund der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie schwierige Zeiten durchmachten. Mit dem notwendigen Sicherheitsabstand können auf dem Rollfeld den Angaben zufolge bis zu 220 Autos stehen.

Litauen hat bisher mehr als 1370 bestätigte Coronavirus-Infektionen und 45 Todesfälle verzeichnet. Die Regierung in Vilnius hat den Notstand ausgerufen und das gesamte Land bis 11. Mai unter eine bereits zweimal verlängerte Quarantäne gestellt. Der Flug- und Fährverkehr ist derzeit ausgesetzt. Mitte April wurden die Schutzvorschriften erstmals gelockert. Geschäfte, Straßencafés und Bibliotheken durften wieder öffnen, Kinos sind aber weiterhin geschlossen.

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