Digital Detox

Mehr Handy-freie Zeit: Wie die digitale Entgiftung gelingt

Das Handy ist ein ständiger Begleiter im Alltag geworden. Druck und Stress, die durch die Dauernutzung entstehen, sind jedoch oft Begleiterscheinungen. Digital Detox wirkt dem entgegen.

01.10.2021, 11:41 • Aktualisiert: 01.10.2021, 12:07
Das Handy ist ein stetiger Begleiter im Alltag.
Das Handy ist ein stetiger Begleiter im Alltag. (Foto: Imago/Panthermedia/Symbol)

Halle (Saale)/DUR/acs - Das Handy ist zu einem stetigen Begleiter im Alltag geworden. Egal wo man hinblickt, man sieht Menschen mit ihren Smartphones in der Hand. Ob im Supermarkt, im Restaurant oder in der Bahn - viele können nicht mehr ohne.

Dauernutzung von Smartphones führt zu Druck und Stress

Das Smartphone ist das wichtigste Kommunikationsmittel in der heutigen Zeit. Gleichzeitig bietet es allzu viele nützliche Funktionen, die im Alltag helfen. Es sorgt für Ablenkung, hilft gegen Langeweile, dient als Wecker, Kalender, Erinnerung, Navigator, Nachschlagewerk oder auch mal als Übersetzungshilfe.

Doch dass die dauerhafte Mediennutzung vor allem zu Stress führt, und sogar süchtig und krank machen kann, wird von vielen Nutzern nicht bemerkt. Besonders soziale Netzwerke sind ein großer Stressfaktor der heutigen Zeit. Das Gefühl, ständig up-to-date sein zu müssen, um mitreden zu können, lässt die Bildschirmzeit und den damit verbundenen Stress immer mehr werden.

Dem Einfluss von Smartphones dauerhaft zu entfliehen ist heutzutage schwer. Jedoch kann man sich Auszeiten nehmen, um dem Stress, der mit der Handynutzung einhergeht, wenigstens zeitweise zu entfliehen: Digital Detox, oder auch digitale Entgiftung, wird das genannt.

Digitale Auszeiten im Alltag

Wer solche digitalen Auszeiten in seinen Alltag einbringen möchte, muss jedoch seine Gewohnheiten ändern. Das ist bekanntlich nicht so einfach. Es gibt jedoch Tipps und Tricks, wie die digitale Entgiftung im Alltag funktionieren kann.

Bei der dauerhaften Handynutzung gehe es viel um Routine, sagt Leonard Reinecke, Professor für Medienwirkung und -psychologie an der Universität Mainz gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Das Handy wird reflexhaft gezückt. Doch diese Automatismen könne man durchbrechen. „Wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert", sagt er.

Um die Handynutzung zu reduzieren, ist es vor allem hilfreich, die Dienste, die das Smartphone bietet, auszulagern. Das heißt, statt dem Handywecker, beispielsweise einen normalen Wecker, der nichts weiter als diese Funktion hat, zu benutzen. Das spart Handyzeit beim Weckerstellen und auch beim Ausschalten des Weckers am Morgen. Denn bei diesen Handlungen ist es nur allzu verführerisch, auch noch schnell die neuesten Beiträge bei Instagram etc. zu checken.

Auszeiten vom Handy nehmen: Dienste auslagern

Auch für weitere Funktionen, die das Handy bietet, kann man Alternativen finden: Für die Uhrzeit kann man eine Armbanduhr nutzen, im Dunklen eine Taschenlampe, auf der Suche nach einer Adresse eine Landkarte, man kann sogar mal wieder einen Passanten nach dem Weg fragen.

Auch die Reduzierung der App-Nutzung ist ein guter Weg, um die Bildschirmzeit zu verringern. Denn praktisch alle Apps funktionieren mit sogenannten Push-Nachrichten. Ständig vibriert es, klingelt es und das jeweilige App-Symbol leuchtet auf.

Wer es nicht schafft, sich der Neugier zu entziehen, obwohl er eigentlich gerade etwas ganz anderes zu tun hätte, hat mehrere Möglichkeiten, dem entgegen zu wirken: Smartphone lautlos stellen, Push-Nachrichten abstellen oder die Apps deinstallieren und Angebote im Browser nutzen.

Selbsterkenntnis: Bildschirmzeit kontrollieren

Kurioserweise gibt es auch Apps, die helfen sollen, den Handygebrauch einzuschränken. Quality Time, Menthal oder Offtime zeichnen auf, wie häufig der Nutzer sein Smartphone aktiviert und was er damit macht. Apple hat sogar eine interne Funktion, die die Bildschirmzeit auswertet und anzeigt.

„Das kann ein Baustein sein, um sich bewusst zu werden, was man da eigentlich tut", sagt Reinecke. Die Apps seien ein Mittel zur Selbsterkenntnis. Und die ist auch der erste Schritt zur digitalen Entgiftung.

Auch kann man dem Druck, der oft entsteht, wenn man nicht sofort auf Nachrichten antwortet, dadurch entgehen, es einfach mal darauf ankommen zu lassen. Das rät auch Leonard Reinecke. „Einfach mal ausprobieren, dem Druck nicht zu folgen und erst dann zu antworten, wenn man Zeit hat. Um dann vielleicht zu merken, dass gar nichts Schlimmes passiert und einen die Freunde gar nicht weniger schätzen."

Handy-freie Zeit reduziert Stress

Wenn der soziale Druck weniger wird, kann man auch versuchen, die Zeit am Smartphone phasenweise zu veringern. Für viele Menschen, die unter ständiger Erreichbarkeit leiden, wirkt die Handy-freie Zeit nach einer Weile befreiend. Denn nachdem man es wieder in der Hand hält, wird klar: Die Welt dreht sich tatsächlich weiter. Und selbst wenn eine Nachricht einging, konnte sie problemlos warten, um gelesen und beantwortet zu werden.

Auch Smartphone-freie Räume sind ein guter Schritt, um Bildschirmzeit zu reduzieren. Das Schlafzimmer, oder auch der Esstisch bieten sich dafür an. Wer es nicht schafft, sich selber Grenzen zu setzen und die Finger vom Handy zu lassen, der kann sich auch selber austricksen und sein Handy auf Flugmodus setzen oder es ganz einfach ausschalten.