Wegen hoher Kosten

Tierschutzbund rechnet mit Abgabe-Welle von Exoten

Nicht nur Tiernahrung oder Tierarztbesuche werden teurer. Auch hohe Energiekosten können entstehen. So mancher wird sich die Haltung wohl nicht mehr leisten können, fürchtet der Tierschutzbund.

Von dpa Aktualisiert: 29.11.2022, 12:51
Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet angesichts gestiegener Preise eine neue Abgabewelle von Haustieren und das Aus vieler Tierheime.
Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet angesichts gestiegener Preise eine neue Abgabewelle von Haustieren und das Aus vieler Tierheime. Martin Schutt/dpa

Berlin - Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet angesichts gestiegener Preise eine neue Abgabewelle von Haustieren und das Aus vieler Tierheime. „Es ist davon auszugehen, dass mehr Menschen ihre Tiere abgegeben, wenn die Lebenshaltungskosten, die Energiekosten, die Kosten für Tierfutter und Tierarzt so immens ansteigen“, sagte Hester Pommerening vom Tierschutzbund.

Vor allem bei exotischen Tieren wie Reptilien rechne sie mit mehr Abgaben. Deren Haltung sei besonders kostenintensiv. „Um die klimatischen Ansprüche für die Haltung solcher Tierarten simulieren zu können, sind verschiedenste technische Hilfsmittel erforderlich“, sagte Pommerening. Dafür sei überwiegend ein hoher bis sehr hoher Energiebedarf etwa für UV-Licht nötig.

Tierheime kommen an ihre Grenzen

„Als Tierschützer möchte man natürlich kein Tier abweisen. Leider aber kommen auch Tierheime an ihre Grenzen. Man kann die Tiere ja nicht stapeln.“ Sie müssten artgerecht untergebracht und versorgt werden, gab die Sprecherin zu bedenken. Nicht alle Einrichtungen hätten zum Beispiel Terrarien sowie personelle Kapazitäten für Reptilien.

Schon jetzt sei die Lage in Tierheimen insgesamt angespannt, viele hätten bereits Aufnahmestopps für diverse Tiergruppen verhängt. Zahlen lagen dem Tierschutzbund nicht vor. Tierheime hatten zuletzt vielfach beklagt, dass während der Corona-Pandemie gekaufte Haustiere wieder abgegeben wurden. „Es wurden Wartelisten geführt für Menschen, die ihr Tier abgeben möchten“, sagte Pommerening.

Rettungspaket für Tierheime

Sie befürchtet, dass sich die Lage in den nächsten Monaten weiter verschärfen könnte. „Es ist zu befürchten, dass viele Tierheime den Winter nicht überstehen. Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam helfen.“ Kurzfristig müsse ein Rettungspaket geschnürt werden, forderte die Expertin. „Obwohl die Tierheime Leistungen im Auftrag der öffentlichen Hand wie die Betreuung von Fundtieren oder beschlagnahmten Tieren übernehmen, haben die politisch Verantwortlichen sie über Jahrzehnte im Stich gelassen.“

Zudem habe es der Gesetzgeber versäumt, Tiere besser zu schützen und so die Tierheime zu entlasten - mit klaren Regeln für Zucht, Haltung und Handel, einem Verbot des Onlinehandels und einem Sachkundenachweis fürs Halten exotischer Tiere, beklagte Pommerening.

Dem Deutschen Tierschutzbund sind nach eigenen Angaben mehr als 740 Tierschutzvereine mit rund 550 vereinseigenen Tierheimen angeschlossen. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes sprang im September die jährliche Teuerungsrate auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit rund 70 Jahren.