Norddeich (dpa) - Nach wochenlangem Kuraufenthalt an Land planschen die ersten Heuler aus der Seehundstation im ostfriesischen Norddeich wieder in der Nordsee.

Stöpsel, Benny, Pünktchenlotte und Elfriede hatten den Kontakt zu ihren Müttern verloren und mussten von Pflegern aufgezogen werden - jetzt sind sie kräftig genug, um wieder in freier Wildbahn zu leben. Insgesamt 160 kleine Seehunde landeten 2018 in der Aufzuchtstation, etwa so viele wie im Jahr zuvor.

Das gute Wetter habe viele Urlauber an die Strände und ins Watt und damit in die Kinderstube der Jungtiere gelockt, erklärte der Leiter der Seehundstation, Peter Lienau. Wenn Mütter und Jungen häufig beim Säugen gestört würden, könnten die kleinen Seehunde nicht kräftig genug werden, sagt Lienau. So kann der Kontakt zwischen Müttern und Jungen abreißen. Die kleinen Seehunde heulen dann, um ihre Mütter wiederzufinden. Spaziergänger sollten die Tiere nie anfassen, sondern Abstand halten und Behörden verständigen.

Heute haben die jungen Seehunde eine bessere Überlebenschance als vor 30 Jahren. 1988 hatte die Seehundstaupe, ein tödliches Virus, tausende Tiere an den Nordseestränden dahingerafft. In Wilhelmshaven, beim gemeinsamen Wattenmeersekretariat von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden, liefen wöchentlich neue Zahlen über Totfunde in ganz Nordwesteuropa ein. Beim Ausbruch der Seuche herrschte Katastrophenstimmung und die Sorge, dass sogar der gesamte Seehundbestand vernichtet werden könnte. Ende 1988 waren mit rund
18 000 Tieren 60 Prozent der Population verendet. Allein in Niedersachsen ging der Bestand von 2500 Tieren auf 1400 zurück.

Ähnlich schlimm war es im Sommer 2002, als sich ein verheerendes Staupevirus an den nordwesteuropäischen Küsten ausbreitete. Bis zum Jahresende verendeten mehr als 21 700 Seehunde an Nord- und Ostsee zwischen Dänemark, Deutschland und den Niederlanden - gut die Hälfte des Gesamtbestandes. Von 6500 Tieren in Niedersachsen verendeten mehr als die Hälfte (3851).

Von den großen Seuchenzügen haben sich die Seehunde inzwischen längst erholt. Beobachtungen aus der Luft zeigen fast jährlich neue Rekordzahlen der Bestände der drei Nordsee-Anrainerstaaten. 2017 wurden dort rund 25 000 Tiere erfasst. Ende August werden die Daten aus den diesjährigen Zählflügen zusammengerechnet. Erste Trends zeigen, dass die Bestände zumindest in Niedersachsen gut aussehen und keine Anzeichen von Krankheiten erkennbar sind.

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