Nicht geimpfte Kindergruppe im Altmarkkreis Salzwedel erkrankt / Vorsicht im Wartezimmer

Masern: Impfempfehlung für Erwachsene

Von Oliver Schlicht

Magdeburg l Acht gemeldete Fälle von Masernerkrankung gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt. Empfohlen werden Impfungen auch für Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden.

Masernerkrankungen sind weltweit wieder auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland steigen die Fallzahlen von Masernviren seit einigen Jahren wieder aus. Die Fallzahlen sind fast überall steigend - auch in Deutschland. Nach Angaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut gab es bis zum 9. Juni bundesweit 851 Fälle. 2012 waren es insgesamt 165 Fälle. 2011 wurden 1608 Fälle registriert.

Unter den deutschen Bundesländern liegen aktuell Bayern (376 Fälle) und Berlin (323 Fälle) mit deutlichem Abstand vorn. In allen anderen Ländern gibt es bislang nicht mehr als 50 (Brandenburg) Fälle. Sachsen-Anhalt steht nach Auskunft des Landesamtes für Verbraucherschutz vergleichsweise gut da. Grund: "Die Impfrate liegt nach den Daten der Schuleingangsuntersuchungen aktuell zwischen 90 und 95 Prozent", so die Ärztin Dr. Hanna Oppermann, Hygiene-Fachbereichsleiterin im Landesamt. Aktuell gebe es acht gemeldete Fälle von Masernerkrankung in Sachsen-Anhalt.

"Fast alle diese Fälle gehen auf eine Gruppe von Menschen zurück, die im Altmarkkreis Salzwedel leben", so die Ärztin. Die Kinder dort seien nicht geimpft gewesen, weil deren Eltern dies so entschieden hatten. Oppermann: "Eine 31-jährige Frau aus Magdeburg ist erkrankt, obwohl sie in der Kindheit geimpft worden ist." Die Expertin vermutet, dass in diesem Fall der Impfstoff unbrauchbar war. "Es kam zu DDR-Zeiten vor, dass die Kühlkette zur Aufbewahrung des Impfstoffes unterbrochen war. Dann war die Impfung wirkungslos."

Die Ärztin empfiehlt auch Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, sich impfen zu lassen. Alle Erwachsenen, die älter sind, gelten als immun gegen Masern. "Wer unsicher ist, ob er die zweite Impfung erhalten hat, sollte sich impfen lassen. Die Kosten der Impfungen werden von den Krankenkassen übernommen."

Die Ansteckungsgefahr sei in Sachsen-Anhalt sehr gering. Bei der niedrigen Zahl von Ungeimpften greife ein "Herdenschutz". Oppermann: "Die wenigen nicht geimpften Menschen haben in Sachsen-Anhalt kaum die Möglichkeit, die Krankheit weiterzuverbreiten." Nur wenn das Virus auf eine größere Zahl von Nichtgeimpften trifft, - so wie im Altmarkkreis Salzwedel - könne sich der Virus ausbreiten.

Eine gewisse "kritische Situation" sei der Aufenthalt in Wartezimmern beim Kinderarzt. Da bestehe ein Restrisiko, weil die Mutter oder der Vater nicht zwangsläufig davon ausgehen muss, dass ihr Kind an Masern erkrankt ist. Hier besteht eine hohe Ansteckungsgefahr.

Ob Kinder, die wegen anderer Krankheiten zum Arzt müssen, Atemschutzmasken gegen die Ansteckungsgefahr tragen sollten, wollte die Ärztin nicht sagen. "Ob das ein Schutz in Bezug auf Masernviren ist, kann ich nicht sagen."