Rawalpindi (dpa) - Bunt geschmückte Lastwagen prägen das Bild des dichten Straßenverkehrs in Pakistan. Sie sind in den Städten und auf den Schnellstraßen zwischen den Metropolen überall zu sehen.

Nur wenige Kilometer entfernt von der Hauptstadt Islamabad werden sie kunstvoll hergerichtet. Hier sind die Werkstätten der Meistermaler, die auf den Hinterhöfen am Stadtrand von Rawalpindi dekorieren, lackieren und bemalen - kunstvolle Arbeit und ein gutes Geschäft.

Asad Khan ist einer von ihnen. Seit 40 Jahren bereits ist der Mann im Geschäft. "Ein Meister der Lastwagen-Kunst zu werden ist ein langer, mühsamer Prozess", erklärt Khan. "Aber es war meine Leidenschaft für diese Kunst, die mir geholfen hat, den Geist all diese Jahre aufrechtzuerhalten". Jeden Auftrag behandele er so, als wäre es sein erstes Werk, erzählt der 57-Jährige. Bis zu zwei Wochen von der Grundierung bis zur Auslieferung kann so ein Job dauern.

Die Auftragsbücher in Khans Werkstatt sind gut gefüllt. An mehreren Lastwagen arbeitet das Team von vier Malern gleichzeitig. Mehr als 800 Euro zahlt ein Kunde umgerechnet für den Job. Das ist ein Vielfaches des pakistanischen Durchschnittslohns. "Besitzer und Fahrer lieben ihren Lkw wie ihre Kinder", sagt Khan. "Und irgendwie hat sich die Tradition, Gemälde auf der Karosserie der Lastwagen zu haben, so verfestigt, dass es jeder will".

Verschiedene Stile prägen die Lastwagen-Kunst, je nachdem in welcher Stadt sie bemalt werden. Doch das Herz der Lkw-Malerei sei in Rawalpindi, so Khan. Hier arbeiten dem Meistermaler zufolge rund 1000 Maler in dem Beruf. Die Branche ist Familiengeschäft, auch Khans Sohn Nomanullah arbeitet im Betrieb. "Es kommen nicht viele neue Leute in die kleine Gemeinschaft", klagt Khan. "Junge Leute wollen schnelle Lösungen, während Truck-Art ein extremes Maß an Geduld erfordert".

Der Handel boomt, besonders mit den Nachbarländern Afghanistan und Pakistans Wirtschaftspartner China. Khan und seine Familie verdienen gutes Geld, doch der leidenschaftliche Maler macht sich Sorgen um die Zukunft. "Ich glaube, dass die Lkw-Kunst eines Tages völlig verschwinden könnte, wenn junge Leute kein Interesse daran zeigen".

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