Zauberhafter Balkan

Durch Montenegro mit dem Mietwagen

Traumbuchten, wilde Schluchten und schroffe Gipfel: Das kleine Montenegro eignet sich wunderbar für eine Mietwagen-Rundreise. Wir stellen eine Route für neun abwechslungsreiche Tage vor.

Von Martin Lewicki, dpa 10.05.2021, 14:24
Wer hinauf zu Festungsruine stapft, wird mit einem tollen Fernblick auf die Bucht von Kotor belohnt.
Wer hinauf zu Festungsruine stapft, wird mit einem tollen Fernblick auf die Bucht von Kotor belohnt. Martin Lewicki/dpa-tmn

Podgorica

Ein Roadtrip, das klingt nach Freiheit. Aber auch nach vielen ermüdenden Stunden hinter dem Steuer. Was aber, wenn das Urlaubsland so klein ist, dass die nächste Sehenswürdigkeit immer schon gleich um die Ecke liegt?

Dann bleibt mehr Zeit und Energie für das Ziel selbst. Montenegro ist so ein Land. Der Balkanstaat eignet sich perfekt für eine Rundreise im Mietwagen.

Tag 1: Von Podgorica an den Skadarsee (40 Kilometer)

Die Hauptstadt Montenegros hat unter Reisenden nicht den besten Ruf. Sie gilt nicht gerade als Schönheit, vor allem im Kontrast zum Rest des Landes. Deshalb am besten gleich bei der Ankunft am Flughafen das Auto in Empfang nehmen und Podgorica hinter sich lassen.

Der Weg in eine völlig andere Welt dauert nur eine halbe Stunde. Der Skadarsee - auch Skutarisee - auf der Grenze zu Albanien ist das größte Binnengewässer des Balkans. In Virpazar starten Bootsausflüge in die einzigartige Seenlandschaft des Nationalparks. Im Anschluss lässt sich in dem kleinen Ort hervorragend speisen.

Ein Geheimtipp zum Übernachten ist die benachbarte Gemeinde Donja Seoca. Der Weg dorthin über die einspurige Küstenstraße sorgt für Adrenalinschübe. Belohnung für den wilden Ritt ist ein kleines Dorfidyll in den Bergen, das bekannt ist für süffigen Wein.

Tag 2: Über Rijeka Crnojevica nach Budva (80 Kilometer)

Die Pracht des Skadarsees und seiner Umgebung offenbart sich am besten auf dem Weg von Virpazar nach Rijeka Crnojevica. Rund eine Stunde ist man auf einer der schönsten Straßen Montenegros unterwegs, bevor man den verträumten Ort erreicht. Mindestens einen Kaffee sollte man sich am gleichnamigen Fluss gönnen, bevor es zum beliebten Aussichtspunkt Pavlova Strana geht. Hier bietet sich der vielleicht schönste Ausblick im gesamten Skadar-Nationalpark.

Von hier einfach dem Straßenverlauf bis zur M2-3 folgen, die direkt nach Budva führt. Nach einer Fahrt durch die bergige Landschaft eröffnet sich ein Szenenwechsel: Die Adria zeigt sich.

In der Bucht schimmert die Küstenstadt Budva im Sonnenlicht. Hinab führen Serpentinen. Maritimes Flair. Eine weitläufige, von Palmen gesäumte Strandpromenade und der Duft des Meeres empfangen Besucher. An Übernachtungsmöglichkeiten mangelt es nicht. Besonders atmosphärisch sind Unterkünfte in der Altstadt und in Küstennähe.

Tag 3: Budva und Sveti Stefan (20 Kilometer)

Budva ist ein Touristen-Hotspot, an dem gerne gefeiert wird. Die ummauerte Altstadt versprüht trotzdem Charme. Es macht Freude, sich in den Gassen zu verlieren und unverhofft an dem kleinen Strand der Altstadt herauszukommen. Der Sonnenuntergang ist hier ausgesprochen farbenprächtig. Tagsüber erreicht man spazierend die beiden größeren Strände Mogren Beach und Mogren Beach 2.

Wenn man schon in Budva ist und ein Auto zur Verfügung hat, sollte ein Abstecher zur kleinen, vorgelagerten Insel Sveti Stefan nicht fehlen - ein wahres Postkartenmotiv. Die Fahrt dauert nur eine Viertelstunde, doch leider ist der Ort selbst mittlerweile ein Luxusresort und nur Hotelgästen zugänglich. Trotzdem lässt sich an den beiden Stränden rechts und links des Eilands baden.

Tag 4: Von Budva nach Kotor (50 Kilometer)

Von Budva geht es über Porto Montenegro nach Kotor. Der Umweg ist lohnenswert. So bekommt man nicht nur den Jachthafen zu sehen, sondern auch den besten Eindruck von der Bucht von Kotor. Von Porto Montenegro führt nämlich eine echte Traumstraße, die Jadranska Magistrala, direkt am Wasser entlang.

In Kotor ist sofort offensichtlich, warum die Stadt die vielleicht bekannteste Sehenswürdigkeit Montenegros ist. Zweitausend Jahre Geschichte präsentieren sich hier malerisch. Die älteste Stadt des Landes wurde von den Römern gegründet.

Am zentralen Platz vor Kotors Wahrzeichen, dem Uhrturm, lässt sich wunderbar eine Limonade schlürfen, bevor es anschließend zur Festungsruine geht. Die 1300 Stufen nehmen die meisten gerne in Kauf, um den Blick auf die fjordartige Landschaft genießen zu können.

Zum Übernachten empfiehlt sich der Nachbarort Dobrota. Dort geht es etwas ruhiger und weniger touristisch zu. Vor allem locken hier kleine Privatunterkünfte am Berghang. Der Ausblick auf die Bucht verführt dazu, länger als nur eine Nacht zu bleiben.

Tag 5: Lovcen, Perast und Herceg Novi (120 Kilometer)

Nun rufen wieder die Berge. Nur eine Stunde ist es mit dem Auto von Dobrota aus in den Nationalpark Lovcen. Je höher man aufsteigt, desto großartiger wird die Aussicht auf die Küstenlinie. Zahlreiche Haltebuchten bieten Gelegenheit für sichere Fotos.

Nach der Einfahrt in den Nationalpark verengt sich die Straße und wird einspurig. Das erfordert Aufmerksamkeit. Vom Parkplatz am Aussichtspunkt geht es zu Fuß weiter. Rund 460 Treppenstufen führen durch einen Tunnel. Dann erreicht man das Mausoleum des größten montenegrinischen Dichters und Herrschers: Petar II. Petrovic Njegos (1813-1851). Die 360-Grad-Aussicht ist unvergesslich.

Zurück in die Bucht von Kotor. Dort versteckt sich eine weitere Sehenswürdigkeit: Perast, der wohl romantischste Küstenort Montenegros. Hier kann man idyllisch am Wasser speisen. Anschließend geht es weiter auf der Küstenstraße E65 entlang der Bucht von Kotor bis nach Herceg Novi. Der Ort bietet Strände, eine Promenade und eine Altstadt mit Festungsbauten und Amphitheater aus dem 16. Jahrhundert. Am besten eine Nacht bleiben, um alle Eindrücke zu ordnen.

Tag 6: Kloster Ostrog und Zabljak (220 Kilometer)

Heute folgt eine Ausnahme: Man verbringt vier bis fünf Stunden am Steuer. Doch es lohnt sich. Unterwegs von Herceg Novi zum Kloster Ostrog ist die Landschaft zunächst weniger spektakulär als in den Tagen zuvor. Am Ende wartet jedoch eine acht Kilometer lange Serpentinenstraße hinauf zum Sakralbau auf 900 Metern Höhe. Obwohl jedes Jahr Tausende Pilger die Strecke absolvieren, ist die schmalspurige Fahrbahn am Berg nichts für schwache Nerven.

Es grenzt an ein Wunder, dass Bischof Vasilije Ostroski im 17. Jahrhundert hier ein Kloster in zwei Höhlen einer senkrechten Felswand errichten ließ. Dort liegen heute seine Gebeine. Da man die Serpentinen wieder hinunterfahren muss, kann ein Gebet nicht schaden. Nun geht es weiter Richtung Zabljak in den Durmitor-Nationalpark, wo sich mindestens zwei Übernachtungen empfehlen.

Tag 7: Der Durmitor und die Tara-Schlucht (20 Kilometer)

Zabljak ist mit 1456 Metern der höchstgelegene Ort Montenegros und der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in den Durmitor-Nationalpark. Wer Lust auf eine entspannte Wanderung hat, der sollte zum Crno jezero, dem Schwarzen See. Trotz des Namens schimmert das Gewässer inmitten eines Waldes und umgeben von Bergen eher smaragdgrün.

Unweit von Zabljak befindet sich die spektakuläre Tara-Schlucht, welche insbesondere am Brojila-Aussichtspunkt optisch ihre volle Wucht entfaltet. Von dort blickt man mehr als 1000 Meter in die Tiefe des rund 78 Kilometer langen Canyons. Die Tara, die sich durch das Tal schlängelt, ist der längste Fluss Montenegros. Und formte eine der eindrucksvollsten Schluchten in ganz Europa.

Tag 8: Auf zum Bobotov Kuk (40 Kilometer)

Der Durmitor-Nationalpark beherbergt den höchsten Berg Montenegros, den Bobotov Kuk. Für erfahrene Bergwanderer ist der Aufstieg ein Muss. Gut drei Stunden benötigt man, um vom Startpunkt in Sedlo den Gipfel zu erreichen. Es gibt luftige Passagen mit Seilversicherungen, an denen man sich heraufziehen muss. Ganz oben, kurz vor dem Gipfel, wartet noch ein nervenaufreibender Felsvorsprung. Auch wer diese letzten Höhenmeter nicht mitnimmt, hat eine grandiose Sicht.

Wer keine Lust auf eine anspruchsvolle Bergwanderung hat, der kommt im Durmitor dennoch auf seine Kosten: Die Straße P14, die von Zabljak nach Sedlo und weiter führt, gehört zu den schönsten des Landes.

Tag 9: Zurück nach Podgorica (180 Kilometer)

Die Strecke von Zabljak in die Hauptstadt ist wieder eine Augenweide. Auf der P4 führt sie entlang der Tara. Nach etwa 25 Kilometern erreicht man die Durdevica-Tara-Brücke. In bis zu 150 Metern Höhe spannt sich das spektakuläre Bauwerk über den Fluss. Auch wundert man sich, wie die Gebirgsstraße in die Felsen gehauen wurde.

Weiter auf der E65. In dem Ort Kolasin empfiehlt sich eine Mittagspause. In Podgorica angekommen, versteht man dann etwas besser, warum die Hauptstadt nicht sonderlich beliebt ist. Das übrige Montenegro stiehlt ihr einfach die Show.

Montenegro

Klima und Reisezeit: Die beste Reisezeit für Badeurlaub ist zwischen Juni und September. In den milden Monaten Mai und Oktober sind weniger Touristen unterwegs, die Preise für die Unterkünfte fallen günstiger aus. Zwischen November und März ist es kühl.

Anreise und Mietwagen: Von verschiedenen deutschen Flughäfen aus gibt es günstige Direktflüge nach Podgorica. Den Mietwagen mit Abholung am Flughafen am besten online mehrere Wochen im Voraus buchen. Für eine Rundreise reichen meist die 1400 Inklusivkilometer. In Montenegro gibt es ein striktes Tempolimit, oft sind nur 40 km/h erlaubt.

Einreise und Corona-Lage: Für Montenegro besteht eine Reisewarnung. Für die Einreise ist ein PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf, oder der Nachweis einer Corona-Impfung nötig.

Währung: Obwohl Montenegro nicht zur EU gehört, wird mit dem Euro gezahlt. Für rund zehn Euro bekommt man eine SIM-Karte mit mehreren Gigabyte Datenvolumen, was zum Navigieren völlig ausreicht.

Stimmungsvoll: Der Aussichtspunkt Brojila bietet einen eindrucksvollen Blick über die Tara-Schlucht.
Stimmungsvoll: Der Aussichtspunkt Brojila bietet einen eindrucksvollen Blick über die Tara-Schlucht.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Zutritt nur exklusiv für Resortgäste: Das vorgelagerte Eiland Sveti Stefan ist dennoch ein Hingucker.
Zutritt nur exklusiv für Resortgäste: Das vorgelagerte Eiland Sveti Stefan ist dennoch ein Hingucker.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Unterwegs im Durmitor-Nationalpark: Die P14 gehört zu den schönsten Straßen des Landes.
Unterwegs im Durmitor-Nationalpark: Die P14 gehört zu den schönsten Straßen des Landes.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Die Durdevica-Tara-Brücke ist eines der spektakulärsten Bauwerke Montenegros.
Die Durdevica-Tara-Brücke ist eines der spektakulärsten Bauwerke Montenegros.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Raureif überzieht die Uferwiese am Crno jezero im Durmitor-Nationalpark. Montenegro empfiehlt sich auch in der Nebensaison im Frühjahr oder Herbst.
Raureif überzieht die Uferwiese am Crno jezero im Durmitor-Nationalpark. Montenegro empfiehlt sich auch in der Nebensaison im Frühjahr oder Herbst.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Das Kloster Ostrog wurde der Gebirgslandschaft abgerungen.
Das Kloster Ostrog wurde der Gebirgslandschaft abgerungen.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Der Skadarsee liegt nicht weit von der Hauptstadt Podgorica entfernt und lässt sich am besten vom Wasser aus entdecken.
Der Skadarsee liegt nicht weit von der Hauptstadt Podgorica entfernt und lässt sich am besten vom Wasser aus entdecken.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Die Straßen in Montenegro führen oft durchs Gebirge - hier auf dem Weg zum Nationalpark Lovcen.
Die Straßen in Montenegro führen oft durchs Gebirge - hier auf dem Weg zum Nationalpark Lovcen.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Lichtspiel: Blick auf die Altstadt von Budva am späten Nachmittag.
Lichtspiel: Blick auf die Altstadt von Budva am späten Nachmittag.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Von der Küstenstraße ergeben sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Bucht von Kotor.
Von der Küstenstraße ergeben sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Bucht von Kotor.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Grünlich schimmert der Fluss: Blick von der Durdevica-Tara-Brücke hinab auf die Tara.
Grünlich schimmert der Fluss: Blick von der Durdevica-Tara-Brücke hinab auf die Tara.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Der Bobotov Kuk ist der höchste Gipfels des Durmitor-Gebirgsmassivs - und bietet einen wunderbaren Ausblick.
Der Bobotov Kuk ist der höchste Gipfels des Durmitor-Gebirgsmassivs - und bietet einen wunderbaren Ausblick.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Kotor ist touristischer Anziehungspunkt in Montenegro, die Altstadt lockt etwa auch Kreuzfahrttouristen.
Kotor ist touristischer Anziehungspunkt in Montenegro, die Altstadt lockt etwa auch Kreuzfahrttouristen.
Martin Lewicki/dpa-tmn
Entlang der Küstenstraße bieten sich immer wieder Orte, die zum Verweilen und einen Kaffee einladen.
Entlang der Küstenstraße bieten sich immer wieder Orte, die zum Verweilen und einen Kaffee einladen.
Martin Lewicki/dpa-tmn