Tierbetreuung

Urlaub für Hund und Herrchen

Ein Hund sitzt angeleint am Straßenrand. Seine Besitzer sind in den Urlaub gefahren – ohne ihn. Trifft das Klischee noch zu?

Von Sandra Reulecke

Magdeburg l Bade-Ferien in Asien, Abenteuer-Urlaub in Australien: Für viele Menschen ein Traum, ihren Haustieren kaum zumutbar. Sofern die Vierbeiner überhaupt einreisen dürfen. Wohin also mit Hund oder Katze, wenn Herrchen auf Reisen geht? Rat gibt der Tierschutzbund. Zum 21. Mal bietet der Dachverein im Zeitraum zwischen März und Oktober die Urlaubsaktion „Nimmst Du mein Tier - nehm´ ich Dein Tier“ an. Das Prinzip ist denkbar einfach: Tierhalter betreuen gegenseitig ihre Haustiere.

Ein Tausch ist nicht zwingend notwendig. An der Aktion können sich auch Leute beteiligen, die lediglich für eine gewisse Zeit ein Tier bei sich aufnehmen wollen oder Menschen, die nur eine „Urlaubsvertretung“ suchen. Örtliche Tierschutzvereine helfen bei der Kontaktvermittlung.

Bei Tierhaltern in Magdeburg findet das Konzept Anklang. Vor zehn Jahren wurde mit „Nimmst du mein Tier, nehm‘ ich dein Tier“ begonnen. „Die Aktion floriert großartig“, schwärmt Gudrun Müller. Sie ist seit zwölf Jahren Vorsitzende des Magdeburger Tierschutzvereins. Viele der Teilnehmer seien „Wiederholungstäter“. „Im Laufe der Jahre haben sich aus der Aktion sogar Freundschaften entwickelt“, berichtet die Vereinschefin.

Die ursprüngliche Idee von der Urlaubstauschaktion hat sich in Magdeburg verändert. Die Kontaktvermittlung wird durch den Verein ganzjährig angeboten. „Die Nachfrage war auch außerhalb der Ferienzeit da, zum Beispiel wenn jemand ins Krankenhaus oder zur Kur musste“, erläutert Müller.

Außerdem gibt es 16 bis 18 feste Pflegestellen, die sich um die Tiere kümmern, wenn die Besitzer verhindert sind – ein wirklicher Tausch findet also nicht mehr statt. „Bei den Pflegestellen handelt es sich um Privatpersonen, die die Tiere kostenlos bei sich aufnehmen“, erläutert die Vereinschefin. Der Halter müsse lediglich das Futter und eventuelle Tierarztkosten übernehmen.

Durchschnittlich werden so im Monat 12 bis 14 Katzen, etwa sechs Hunde und mehrere Käfigtiere versorgt. Die Nachfrage ist jedoch höher. „Wir brauchen dringend mehr feste Pflegestellen“, betont Gudrun Müller.

Initiiert wurde die Tauschaktion ursprünglich vom Deutschen Tierschutzbund, um das Aussetzen von Haustieren zu verringern. Laut Verein werden in den Sommermonaten jedes Jahr fast 70.000 Haustiere ausgesetzt beziehungsweise in Tierheime gegeben. Hauptsächlich handele es sich dabei um Hunde und Katzen, aber auch Kleintiere.

Rund um Magdeburg ist dieses Phänomen kaum spürbar. Tiere werden rund das ganze Jahr über ausgesetzt, aber einen Anstieg im Sommer gibt es nicht. „Das Klischee von den Hunden, die in den Sommerferien auf Autobahnraststätten ausgesetzt werden, trifft für unsere Region nicht mehr zu“, sagt Andreas Reichardt, Leiter des Tierheims Magdeburg.

Die Ursache dafür sieht der Experte in der Verbesserung des Angebots für Tierhalter. Es sei vielerorts möglich, seinen Hund oder die Katze mit ins Hotel zu nehmen. Gerade bei kurzen Reisen biete es sich auch an, Nachbarn oder Freunde mit der Pflege des Tieres zu beauftragen. Sinnvoll seien auch Angebote wie die Aktion des Tierschutzbundes oder von mobilen Pflegediensten. „Wichtig ist es, sich vorher ein Bild davon zu machen, wie gut das Tier betreut wird“, rät Reichardt, „und sich rechtzeitig um eine Möglichkeit zu kümmern.“

Eine dieser Möglichkeiten sind auch Tierpensionen, wie die von Marlies Hoffmann. „Die Hundepension ist rund ums Jahr ausgebucht. Bei Katzen und Kleintieren ist die Nachfrage in den Ferien und an den Feiertagen besonders hoch“, sagt die studierte Landwirtin.

Reisen sind nicht die einzigen Gründe, warum die Tiere in der Pension untergebracht werden. „Wenn Besitzer ins Krankenhaus kommen, eine Reha-Behandlung oder eine Kur ansteht, bringen sie die Tiere zu uns“, berichtet sie.

Bis zu zwölf Katzen werden in einem Zimmer beherbergt. Der Raum ist ausgestattet mit Klettermöglichkeiten und Kuschelecken. Die Hunde finden auf einem anderen Abschnitt des Grundstücks in Westerhüsen Platz. Wenn sie nicht auf den Freiflächen der Gärten und Höfe spielen oder Gassi gehen, werden sie je nach Größe allein oder zu zweit in zehn beheizbaren Zwingern untergebracht.

Rivalitäten unter den Gast-Tieren gibt es kaum. „Keines ist hier zu Hause, darum gibt es eigentlich kein Revierverhalten“, erläutert Marlies Hoffmann. „Die meisten leben sich recht schnell ein.“