Berlin (dpa) - 50 Jahre nach seinem Olympiasieg in Mexiko-Stadt hat US-Sprinter Tommie Smith seine spektakuläre Handschuh-Geste mit erhobener rechter Faust bei der Siegerehrung als ein Opfer bezeichnet.

"Das war es, und es wurde im Nachhinein noch größer. Man verbannte mich, schloss mich aus. Ja, im Nachhinein war es ein Opfer. Wobei ich es damals gar nicht so gesehen habe", sagte der heute 74 Jahre alte Ex-Athlet in einem Interview der "Bild am Sonntag".

Smith hatte die Protestaktion gegen Rassismus nach seinem Weltrekord über 200 Meter in 19,83 Sekunden bitter bezahlen müssen. Er wurde auf Druck des IOC ausgeschlossen, musste das olympische Dorf verlassen und wurde gesperrt. Er lief nie wieder ein internationales Rennen, verlor den Job und wurde angefeindet.

Smith war 1968 trotz einer Muskelverletzung im Oberschenkel zu Gold gesprintet. "Aber ich hatte mich bis zu den Spielen gekämpft – diese Chance durfte ich mir nicht entgehen lassen. Es herrschte Wandel. Wir mussten etwas tun, um vorwärts zu kommen. Wir mussten die Sache selbst in die Hand nehmen. Hoffen, dass uns die Leute folgen, einen Denkprozess anstoßen."

Smith räumte ein, dass die Aktion sein Leben verändert habe, und er sieht Langzeitwirkungen. "Es haben sich Dinge zum Positiven geändert, weil die jungen Leute heute Dinge mehr hinterfragen, statt eine vorgegebene Meinung einfach zu schlucken. Aber auch heute noch gibt es Menschen, die diese Veränderungen für falsch halten. Darum ist der Prozess noch lange nicht abgeschlossen", sagte Smith, der sich über US-Präsident Donald Trump nur ausweichend äußerte. "Ich bitte um Verständnis: Es gibt so viele Gräben. Ich möchte die nicht vertiefen."

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