Halberstadt l Egal, ob Plätzchen backen, trommeln, basteln oder Halloween-Masken schnitzen: Es sind nur wenige Stunden, aber sie können viel bewirken. Einmal im Monat treffen sich Flüchtlingskinder aus der zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast) mit gleichaltrigen Halberstädtern zum Interkulturellen Nachmittag von Kirchenkreis, Frauenzentrum und dem Soziokulturellen Zentrum Zora.

Meist im Frauenzentrum, doch manchmal stehen auch Ausflüge auf dem Programm – ins Schwimmbad, ins Spielemagazin, in den Kletterparcours oder ins Theater. Die Angebote wechseln, das Prinzip bleibt gleich – deutsche und Flüchtlingskinder unternehmen etwas gemeinsam.

Freundschaften schließen ist kaum mö

Das ist einerseits ziemlich einfach. „Egal, welche Sprache die Kinder sprechen. Sie verstehen sich immer“, sagt Britta Babick von der Zora. Auf der anderen Seite ist es eine komplizierte Angelegenheit. Die Flüchtlinge leben nur kurze Zeit in der Zast. Mehr als einen Interkulturellen Nachmittag können die Kinder deshalb nur in Ausnahmefällen besuchen, langfristige Projekte, ein besseres Kennenlernen oder gar Freundschaften sind so nicht möglich.

Trotzdem profitieren beide Seiten davon, sagt Antje Maier vom Frauenzentrum. Die deutschen, meist aus problematischen Verhältnissen stammenden Kinder und Jugendlichen lernen bei dieser Gelegenheit, „dass sie keine Angst voreinander haben müssen“.

Mindestens ebenso wichtig sind die Nachmittage für die Flüchtlingsfamilien. „Die Zast ist für Kinder schlecht ausgestattet“, sagt Britta Babick – kaum Spiele, kaum Bastelmaterial. Die Kleinen sind eigentlich immer ihren Eltern überlassen, die oft andere Sorgen haben. Beim Interkulturellen Nachmittag können sie einfach mal ungehemmt spielen und den Alltrag vergessen. Frauenzentrum, Soziokulturelles Zentrum Zora und Rauhes Haus haben jeder für sich schon seit Jahren Veranstaltungen zur Integration im Angebot.

Im Frauenzentrum heißt es „Miteinander reden, einander verstehen“, in der Zora „Café International“. Als vor zwei Jahren das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ aufgelegt wurde, schlossen sich die drei Organisationen zusammen, der Interkulturelle Nachmittag wurde geboren. Das Bundesprogramm gibt zwar einen Zuschuss, doch Geld wird immer benötigt. Um die Förderpause zu überbrücken (erst 2016 geht es weiter), um Eltern einbeziehen zu können und um die Angebote für die Kinder noch schöner zu machen. Denn eines weiß Antje Maier: „Egal, was wir tun. Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

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