Magdeburg l „Sie haben Krebs.“ Über 470.000 Menschen in Deutschland erhalten jedes Jahr diese Diagnose. Für das kommende Jahr rechnen Fachleute laut Deutschem Krebsforschungszentrum sogar mit über 490.000 Neuerkrankungen.

Konfrontiert mit dieser Diagnose ihres Arztes stürzen die meisten Patienten zunächst in ein tiefes Loch. Hoffnungslosigkeit angesichts der vermeintlich unheilbaren Krankheit lässt sie verzweifeln. Um ihnen zu zeigen, dass dies in vielen Fällen nicht nötig ist und das Leben mit der richtigen Therapie weitergehen kann, gibt es die Magdeburger Krebsliga. Vor 27 Jahren von Betroffenen für Betroffene gegründet, erfährt der Selbsthilfeverein steten Zuspruch.

Acht Selbsthilfegruppen gibt es, darunter die Gruppe für junge Erwachsene. „Ein junger Mann kam vor zwei Jahren mit der Idee zu uns“, erinnert sich Andrea Perner, Mitarbeiterin in der Kontakt- und Beratungsstelle der Krebsliga an der Universitätsfrauenklinik. Der junge Mann ist mittlerweile verstorben, die Gruppe gibt es jedoch weiterhin. „Sie ist sein Vermächtnis“, sagt Perner.

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Krebserkankungen sind häufig mit existenziellen Fragen und Sorgen verbunden, erklärt ihre Kollegin Eva Köhler. Wie gehen die Angehörigen damit um? Wie sage ich es den Kinder? Fragen wie diese beantworten die beiden. Um sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manche nutzen Gesprächstherapie, ander machen Rehasport.

Mit dem neuen Kunstkurs „Lebenskünstler“ wird das künstlerische Gestalten als wirkungsvolle Hilfe genutzt. „Die Patienten erleben ihre Selbstwirksamkeit, weil sie selbst aktiv sind, Entscheidungen treffen und ein Stück Wirklichkeit für sich selbst gestalten“, umschreibt Eva Köhler den Ansatz. Sonst bei der medizinischen Behandlung wäre der Patient mehr passiv; andere entscheiden, was er machen muss. Beim künstlerischen Spiel mit Farben und Formen würden sich dagegen viele Gedanken und Gefühle ordnen.

Damit das geschieht, ist Ingrid Weiland an der Seite der Kursteilnehmer. Die gebürtige Hettstedterin ist selbst Krebspatientin und arbeitet als freischaffende Künstlerin. Zuletzt waren ihre Bilder in der Magdeburger Feuerwache zu sehen. „Die Kunsttherapie verhilft uns, unsere Aufmerksamkeit von den ‚äußeren Ereignissen‘ umzulenken und ein klares Verständnis für unsere Innenwelt zu finden und das vernachlässigte Bauchgefühl wieder zu wecken“, erklärt sie. Die Therapie sei der Teil der Heilung von Körper, Geist und Seele, der sich um die Seele kümmert.

Thema wird vorgegeben

Das jeweilige Thema, mit dem sich die Kursteilnehmer beschäftigen, wird von Ingrid Weiland vorgegeben. Die Wahl der Malutensilien, wie Stifte, Kreiden, Aquarell- oder Acrylfarbe bleibt ihnen überlassen. Die Spenden der Volksstimme-Leser werden u. a. für diese und weitere Materialien, wie zum Beispiel Leinwände, genutzt.Zudem ist der Kurs für die Krebspatienten kostenfrei.

„Durch Kunst gelingt der Brückenschlag hin zum Leben!“, ist sich Andrea Perner sicher. Auf diese Weise könnten die Patienten auf dem Weg der Verarbeitung ihrer Krankheit ein Stück ihrer Lebensqualität zurückgewinnen, sagt sie.

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