Stendal l Im März 2019, sechs Monate nach ihrem Einzug in ein Haus in Schollene, wurde die gelbe Tonne endlich gestellt, sodass den dortigen Lesern dank der Unterstützung von Leser-Obmann, Kreisverwaltung und der ALS Dienstleistungsgesellschaft mbH seither die Entsorgung ihrer Leerverpackungen um drei Ecken und über zwei Straßen erspart bleibt.

Anders in Klein Ellingen, einem Ortsteil von Hohenberg-Krusemark. Dort zogen im April 2018 Steffi Lasetzke und Julian Nix in ihr neu erbautes Eigenheim. Rechtzeitig hatte das junge Paar die Wertstofftonnen für Hausmüll, Biomüll, Papier und Verpackungsmüll beantragt. Deren Lieferung erfolgte auch zügig, nur die der gelben Wertstofftonne blieb aus. Daran änderte sich auch mehr als ein Jahr lang nichts. „Wir sind verzweifelt, aber schlimmer ist noch, wohin mit unserem Verpackungsmüll? Die gelben Säcke werden nicht entsorgt, obwohl uns dies von Seiten der ALS zugesichert wurde. Jedes Mal, wenn der Termin zur Abholung der gelben Tonne ansteht, gehen wir zu all unseren Nachbarn und betteln, ob diese unseren Verpackungsmüll mit entsorgen können. Das ist peinlich und sehr beschämend“, schrieben sie dem Leser-Obmann und baten um Unterstützung, damit sie endlich mit diesem Mülltourismus aufhören und ihren Verpackungsmüll selbst entsorgen können.

Recyclinghof von Landbell AG beauftragt

Wieder wandten wir uns an die Kreisverwaltung in Stendal. Der Landkreis, der als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger die in seinem Gebiet anfallenden und überlassenen Abfälle aus privaten Haushaltungen im Rahmen seiner Pflichtaufgaben zu entsorgen hat und sich hierzu seiner kommunalen Eigengesellschaft „ALS Dienstleistungsgesellschaft mbH“ (ALS) bedient, hat die beantragten Tonnen in der erforderlichen Größe zeitnah geliefert und nimmt seitdem auch die ordnungsgemäße Leerung der von ihr bei der Familie gestellten Tonnen vor, versicherte Sprecherin Angela Vogel.

Hinsichtlich der Verpackungen, die in die gelbe Tonne zu werfen sind, würde aber weder beim Landkreis noch ihrer ALS eine Einsammel- und Entsorgungspflicht bestehen, weil die Hersteller und Vertreiber von Waren als Produktverantwortliche gesetzlich dazu verpflichtet wurden, ihre gebrauchten Verkaufsverpackungen zurückzunehmen, zu sortieren und entweder erneut zu verwenden oder zu entsorgen. „Die Einsammel- und Entsorgungspflicht für die gebrauchten Verkaufsverpackungen liegt im Landkreis Stendal allein bei dem Systembetreiber Landbell AG. Diese bedient sich zur Sicherstellung seiner Pflichten vor Ort der Recyclinghof Farsleben GmbH, teilte die Behördensprecherin mit.

Systembetreiber lässt Frist verstreichen

Im Rahmen der allgemeinen Abfallberatungspflicht seien der Landkreis und seine ASL lediglich in der Lage, Anträge auf Gestellung der gelben Tonne entgegenzunehmen, den Endverbrauchern bei Problemen im Zusammenhang mit der Gestellung behilflich zu sein und die Entleerungstermine der gelben Tonne in ihrem Abfallkalender aufzunehmen. „Darum bieten wir auch die Möglichkeit an, gebrauchte Verkaufsverpackungen bei den kreiseigenen Wertstoffhöfen abzugeben und die dort dafür bereitstehenden Container kostenfrei zu nutzen.“

So wurde auch im Fall der Leser in Klein Ellingen die Anmeldung für die Gestellung der gelben Tonne an die Recyclinghof Farsleben GmbH weitergeleitet. Da offensichtlich die Tonne nicht geliefert wurde, habe die ALS den Fall an die Landbell AG in Mainz übergeben. Trotz der telefonischen Zusicherung, dass eine gelbe Tonne gestellt wird, sei dies bisher nicht geschehen, räumte Angela Vogel ein. Nun aber wurde der Systembetreiber Landbell auch über die Anfrage des Leser-Obmanns informiert und nochmals aufgefordert, unverzüglich, spätestens bis zum 1. Juli 2019, auf dem oben genannten Grundstück die Gestellung der gelben Tonne zu veranlassen sowie durch den beauftragten Entsorger eine ordnungsgemäße Entleerung vorzunehmen.

Nachbarn helfen mit gelber Tonne aus

Das teilte uns die Sprecherin der Kreisverwaltung Mitte Juni mit. Vor dem Haus der jungen Familie in Klein Ellingen steht inzwischen zwar eine Tonne, aber lediglich „eine der beiden Tonnen unserer Nachbarn. Diese gehören einem anderen Haushalt“, schrieben Steffi Lasetzke und Julian Nix dem Leser-Obmann, auf die Lieferung ihrer eigenen warten sie noch immer.