Magdeburg l Post im Briefkasten. Von der Telekom. Aber nicht die übliche Rechnung, sondern die verbindliche Aufforderung, den Telefonanschluss umzustellen, ansonsten werde der Hausapparat abgeschaltet. Die 80-jährige Leserin aus der Magdeburger Neuen Neustadt ist empört, zumal sie auf telefonische Nachfrage bei der Telekom erfuhr, dass sie sich auch noch einen Router anschaffen müsse für rund 160 Euro plus Installationskosten oder einen solchen monatlich leasen könne.

Die alte Dame aber nutzt weder Internet noch andere Dienste, will wie bisher nur einfach vom Festnetz aus telefonieren können. Muss sie tatsächlich mit Kündigung durch die Telekom rechnen, wenn sie der Umstellung nicht zustimmt?

Häufig muss Router angeschafft werden

Die Magdeburgerin ist kein Einzelfall, weiß Katja Schwaar von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Die Telekom will bis 2018 ihr gesamtes Telefonnetz auf Internet-Telefonie umstellen. Alle Kunden, bei denen ein DSL-Anschluss möglich ist, sollen dann mittels VoIP-Technik (Voice over Internet Protocol) telefonieren. Wer noch wie eh und je einen analogen Festnetz- oder ISDN-Anschluss der Telekom nutzt, wird vor die Wahl gestellt, umzustellen oder den alten Anschluss ganz zu verlieren.

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Denn auch die Telekom hat das Recht auf ordentliche Kündigung des Vertrages, betont Verbraucherberaterin Schwaar. „Betroffenen bleibt dann tatsächlich nur die Möglichkeit, sich für einen neuen Tarif und Umstellung des Anschlusses zu entscheiden oder zu einem anderen Anbieter zu wechseln“, sagt sie.

Bei der Umstellung wird häufig ein neuer Internet-Router notwendig. Die Telekom bietet diesen zur Miete an, man kann sich solch ein Gerät aber auch kaufen. „Die der Leserin genannten Kosten erscheinen mir viel zu hoch, es gibt sicher preiswertere Alternativen“, meint Katja Schwaar, zumal kein Routerzwang mehr bestehe und auch Geräte eingesetzt werden können, die nicht von der Telekom stammen. Fast alle derzeit im Handel erhältlichen Router eigneten sich. „Aus Erfahrung weiß ich, dass gerade Senioren damit oftmals überfordert sind und lieber die monatliche Miete des Routers annehmen. Das hat ja auch den Vorteil, dass sie immer das neueste Modell und bei Störungen sofort Ersatz bekommen“, berichtet die Mitarbeiterin der Beratungsstelle Magdeburg.

Verkabelung ist kostenpflichtig

Ein Problem bei der Umstellung des Anschlusses stellt für viele Verbraucher die zu ändernde Verkabelung da. Das trauen sich gerade ältere Menschen und technische Laien oft nicht zu. Darum wird dann häufig der kostenpflichtige Service der Telekom in Anspruch genommen.

Die Forderung der Verbraucherzentrale nach Gratis-Installation, da Betroffene ja praktisch zur Umstellung gezwungen sind, um nicht gekündigt zu werden, stieß bisher leider nur auf taube Ohren, bedauert Katja Schwaar.

Ein neues Telefon ist bei Umstellung auf VoIP-Technik indes meist nicht nötig, das alte wird lediglich an den Router angeschlossen. Allerdings: Fällt dann einmal der Strom aus, ist auch die Telefonleitung automatisch unterbrochen.

Und noch ein Rat der Verbraucherberaterin: Hören Sie sich nach Alternativen zur Telekom um, gerade in den Städten hat man oft gute Chancen bei anderen Anbietern. „Wichtig ist aber, dass diese einen Anschluss und nicht nur das reine Telefonieren anbieten. Ansonsten zahlt man womöglich doppelt: Für die Gespräche mit fester Voreinstellung auf einen bestimmten Anbieter plus für den zur Preselection nach wie vor nötigen Anschluss.“