„Papa, du musst nicht immer ,Kaufhalle‘ sagen, das heißt jetzt ,Supermarkt‘“, hörte ich neulich eine Frau zu ihrem schon etwas älteren Vater sagen, der die Belehrung brummend hinnahm. Tatsächlich ist „Kaufhalle“ kaum noch zu hören. Heute geht man gleich zu einem der Discounter, deren Werbung uns jede Woche ins Haus flattert. Als das Wochenend-Magazin der Volksstimme neulich über „Die Retter der Dorfkaufhalle“ in Veckenstedt berichtete, wollte ich schon an eine Renaissance der Kaufhalle glauben, doch am Ende war es ein „Landmarkt“, was ja auch nicht schlecht klingt, auf jeden Fall bodenständig.

„Kaufhalle“ erging es damit nur wenig besser als anderen Wörtern und Wendungen aus dem Sprachschatz im Osten Deutschlands, die nach der Vereinigung gänzlich in der Versenkung verschwanden – was freilich nicht nur Begriffe betraf, die das DDR-System charakterisierten wie etwa Plansoll, Jugendobjekt oder Kollektiv. Aus letzterem wurde – so wie aus der Kaufhalle ein Supermarkt wurde – bekanntlich das Team.

Auch die bewährte Plaste – daraus waren Babybadewannen, Eimer, Geschirr und viele Haushaltgegenstände mehr gefertigt – war vor dem sprachlichen Abseits nicht gefeit. Aus „Plaste“ wurde „Plastik“. (Der Duden führt „Plaste“ nur noch als „regional für ,Plastik‘“ an.) Dabei war „Plaste“ durch den wohl berühmtesten Werbespruch der DDR durchaus auch im Westen sprachlich präsent: „Plaste und Elaste aus Schkopau“. Die Buna-Werke warben damit unter anderem an Autobahnbrücken auf den Transitstrecken. „Plaste und Elaste aus Schkopau“ wurde zum geflügelten Wort.

Dass „Plaste“ dann nicht in den gesamtdeutschen Sprachgebrauch Eingang fand, hing wohl mit der sich hartnäckig haltenden Ansicht zusammen, dies sei ein typischer DDR-Begriff. Ein Irrtum. „Plaste“ ist ein Fachausdruck, eingetragener Markenname für starre polymere Kunststoffe, die in den Buna-Werken Anfang der 1930er Jahre entwickelt wurden. Für die ebenfalls in diesem Werk entwickelten elastischen Kunststoffe wurde der Markenname „Elaste“ eingetragen.