Zeitungsseiten brauchen Fotos – zumindest ein großes und in der Regel auch weitere kleinere. Die richtigen auszuwählen ist gelegentlich schon eine Herausforderung für den Redakteur, manchmal, weil es Fotos zuhauf gibt, häufig aber mangels eines guten Angebots.

Am Ende braucht es auch ein glückliches Händchen. Dass wir ein solches gelegentlich nicht hatten, wissen wir. Wie etliche Leser meinten, zuletzt beim Abdruck von Fotos, die die Bundeskanzlerin in Wanderbekleidung und Abendgarderobe zeigten. „Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen“, meinte eine Leserin. Und ein Magdeburger schrieb, es sei „einfach ungehörig“, sich so zu äußern. „Wenn das verdeckter Wahlkampf ist, liegt der voll daneben“, merkte er noch an. Ein weiterer Leser warf uns gar vor, wir würden Angela Merkel „diffamieren“.

Ob die Veröffentlichung der Merkel-Fotos nötig gewesen ist, darüber ließe sich gewiss streiten. Festzuhalten ist indes, dass nicht Zweck der beiden Artikel war, die Bundeskanzlerin in ein schlechtes Licht zu rücken oder zu verunglimpfen und schon gar nicht, auf diese Weise Wahlkampf – in wessen Sinne auch immer – zu betreiben. Im Gegenteil.

Es sind Urlaubsfotos. Und diese haben nichts Herabwürdigendes, und die Texte sind eher sachlich, ohne Häme. Sie zeigen ein Spitzenpolitikerin, die nicht abgehoben ist, die keinen Modefimmel hat. Sie geht in den Südtiroler Bergen wandern und besucht eine Aufführung bei den Salzburger Festspielen und schert sich nicht im mindesten darum, dass sie ihr Wanderoutfit wie auch ihr Abendkleid früher schon anhatte, obwohl sie weiß, dass da welche sind, die genau das registrieren und nachzählen, wie oft sie was schon getragen hatte.

Dies bringe ihm „die Frau Merkel näher, da ich erkenne, dass sie ein ganz normaler Mensch ist wie wir alle. Jeder hat so sein Lieblingskleidungsstück sowohl im Alltag als auch im Urlaub. Die karierte Bluse hängt sicher wieder ein Jahr im Schrank und wartet auf den nächsten Urlaub“, so der schon zitierte Magdeburger Leser. Was will man mehr?