"Als kritischer Leser fragt man sich, wer solche Wertungen bei wem anordnet.“ Dem Magdeburger Leser, dessen Brief unlängst in der Volksstimme veröffentlicht wurde, war aufgefallen, dass – nicht nur in dieser Zeitung – in unterschiedlicher Ausprägung bewertende beziehungsweise abwertende Adjektive zur Kennzeichnung von Personen, Organisationen oder Aktionen verwendet werden.

Die Frage des Lesers zu beantworten kann – nicht zuletzt den wenigen zur Verfügung stehenden Zeilen geschuldet – nur im Versuch steckenbleiben.

Am wichtigsten bleibt jedoch die Feststellung, dass es – anders als zu Zeiten, da diese Zeitung noch als „Organ der Bezirksleitung Magdeburg der SED“ firmierte – keine Partei- oder staatlichen Gremien gibt, die Inhalte und Diktion der Berichterstattung vorgeben. Völlig abwegig wäre zum Beispiel – wie gelegentlich von Lesern vermutet –, das Bundespresseamt in einer solchen Rolle sehen zu wollen. Die Behörde sieht die Medien lediglich als „Mittler zwischen der Regierung und den Bürgerinnen und Bürgern“, die durch Information zur Meinungsbildung beitragen.

Natürlich fallen positive oder negative Einschätzungen oder Zuordnungen in der Berichterstattung nicht vom Himmel. Sie sind Ergebnis des öffentlichen Diskurses, politischer Auseinandersetzungen, Spiegelbild der Positionen der gesellschaftlichen Akteure unterschiedlicher Couleur. Und ein Heer von „Influencern“, Kommunikations- und PR-Verantwortliche der Parteien, Organisationen, Institutionen, Verbänden und Unternehmen, steht dafür, dass Inhalte und Bewertungen den jeweiligen Interessen gemäß transportiert werden. Insbesondere die Leitmedien, also jene, die einen besonders starken Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf andere Massenmedien ausüben, stehen dabei im Fokus. Der Rest ist dann – vereinfacht gesprochen – medialer Herdentrieb.

Bleibt am Ende natürlich auch ein subjektiver Faktor: die Auswahl und Einordnung der Nachrichten und Berichte aus der Fülle des Angebots in der jeweiligen Redaktion.