Krämer gegen Krämer“ lässt sich in Anlehnung an den Titel des mehrfach oscarprämierten amerikanischen Filmdramas aus dem Jahr 1979 der bizarre Streit um die deutsche Sprache überschreiben. Im Film wie im wahren Leben geht es um den „Kampf der Geschlechter“.

Während Marlies Krämer mit ihren Getreuen vom „Gemeinnützigen Verein zur Erlangung der sprachlichen Gleichberechtigung“ unverdrossen für die Durchsetzung des „generischen Femininums“ streitet, kommt von Walter Krämer, dem 1. Vorsitzenden, und seinen Mitstreitern im Verein Deutsche Sprache (VDS) der „Aufruf zum Widerstand“ gegen den „Gender-Unfug“ – „aus Sorge um die zunehmenden, durch das Bestreben nach mehr Geschlechtergerechtigkeit motivierten zerstörerischen Eingriffe in die deutsche Sprache“.

Die vermeintlich gendergerechte Sprache beruhe auf dem „Generalirrtum“, es gebe einen festen Zusammenhang zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht. Ein solcher „besteht absolut nicht“, argumentieren die Autoren des Aufrufs – neben Krämer die Schriftstellerin Monika Maron, der Journalist, Sachbuchautor und Sprachkritiker Wolf Schneider und der frühere Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Die sogenannte gendergerechte Sprache habe bereits „eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde“ erzeugt, wird kritisiert.

In dem Appell „Schluss mit dem Gender-Unfug!“, den neben den 100 prominenten Erstunterzeichnern schon in den ersten beiden Tagen nach Veröffentlichung rund 10 000 sprachinteressierte Menschen unterschrieben hatten, heißt es weiter, „solche Verzerrungen der Sprache“ trügen am Ende „nicht einmal dazu bei, den Frauen zu mehr Rechten zu verhelfen“.

Marlies Krämer ist da entschieden anderer Meinung. In einem Leserbrief an die Volksstimme betonte sie: „Wer in der Sprache nicht vorkommt, ist auch nicht existent und hat deshalb keinerlei Rechte ... Die sprachliche Gleichstellung ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Gleichberechtigung.“