Es war die reine Lust am Wandern, die mich an einem Dienstag im Oktober den Brocken besteigen ließ. Sonne pur, unglaubliche zwanzig Grad und fast kein Wind lockten auf den Berg, den höchsten im Harz und in Deutschlands Norden überhaupt. Wann, wenn nicht heute, dachte ich mir und machte mich auf den Weg. Das taten auch Tausende andere, Einheimische und Feriengäste, mittenmang selbstverständlich Brocken-Benno – wie an jedem anderen Tag auch.

Da hieß es Schlange stehen an den Futterkrippen, Geduld verlangte aber auch, weil dicht umdrängt, das Foto von der oder dem Liebsten oder das „Selfie“ an dem „Püchel-Stein“, auf dem in Bronze gegossen „Brocken 1142 m“ als definitive Höhe manifestiert ist.

Sachsen-Anhalts damaliger Innenminister Manfred Püchel hatte einst Fels und Inschrift auf den Brocken schaffen lassen, damit die Welt wieder in Ordnung kommt. Denn seit deren ursprünglicher Vermessung waren die 1142 Meter unumstößliche Höhenangabe des als „Höchsten im Norden“ beworbenen Berges.

Bis dann die Neuvermessung im Jahre 1996 durch das Landesamt für Vermessung und Geoinformation den Brocken „schrumpfen“ ließ. „Nur“ noch 1141,2 Meter! Die am trigonometrischen Punkt auf der Bergkuppe festgestellte Höhe galt fortan als „amtliche Höhe“, die selbstredend ihren Weg nahm. Abgerundet blieben damit 1141 Meter für den Brocken, womit sich freilich nicht jeder abfinden mochte, was am Ende Püchel auf die Idee brachte, einen draufzusetzen – ein Sieg des Lokalpatriotismus!

Das hatte allerdings die Folge, dass seither beide Höhenangaben nebeneinander existieren und konkurrierend Verwendung finden – in der Tourismusbranche, bei Veranstaltungsplanern und Vereinen, aber auch in den Medien.

So wird aufmerksamen Leserinnen und Lesern nicht entgangen sein, dass sich in der Volksstimme neben der „amtlichen Höhe“ von 1141 Metern unlängst auch die 1142 Meter wiederfanden. Seien Sie bitte nachsichtig! Irgendwo sind ja doch beide Angaben richtig. Und gefühlt bleiben es sowieso 1142 Meter!