Bonn (dpa) - Der ehemalige Fernsehjournalist Friedrich Nowottny (90) findet, dass die deutschen Politiker die Corona-Krise bisher gut bewältigt haben. "Vor allem die Bundeskanzlerin macht das sehr eindrucksvoll", sagte der einstige "Mister Bonn" der Deutschen Presse-Agentur.

"Krise kann sie - als ob sie darauf wartet, um der Langeweile des Regierungsalltags zu entfliehen." Er sei sich aber nicht sicher, dass die derzeitigen starken Zuwächse für die CDU in den Meinungsumfragen von Dauer seien. Interessant sei, wie still es um einige Kandidaten für den CDU-Vorsitz geworden sei. "Merkwürdigerweise geht es nur noch um Laschet." Von Norbert Röttgen rede niemand mehr. Die Stunde von Friedrich Merz könne noch einmal schlagen, wenn in einigen Monaten die wirtschaftlichen Probleme alles andere überragen sollten. "Da kann es schon sein, dass er noch einmal groß rauskommt."

Nowottny, der im Mai seinen 91. Geburtstag feiert, erledigt für sich und seine Frau noch alle Einkäufe im Supermarkt selbst. Er habe sich bereits mit Schutzmasken eingedeckt, sagte er. Ihm falle auf, dass er jetzt auf der Straße in Bonn von mehr Passanten freundlich gegrüßt werde, vor allem von jungen, die ihn gar nicht mehr kennen könnten. "Die jungen Leute sind ungeheuer nett, lächeln freundlich und grüßen häufig." Das sei eine positive Folge von Corona.

Nowottny war in den 1960er bis 1980er Jahren einer der bekanntesten deutschen Fernsehjournalisten und leitete das ARD-Büro in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. 1985 wurde er Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR).