Berlin (dpa) - Hanna Schygulla, selbst einst Flüchtlingskind, wünscht sich mehr Offenheit für fremde Kulturen. Die Welt hängt miteinander zusammen, wir können uns nicht mehr nur auf uns zurückziehen, sagte die Film-Diva diesen Herbst der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Heute wird sie 72.

Die Schauspielerin aus Fassbinder-Filmen wie Lili Marleen flüchtete in Folge des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Mutter aus Schlesien und verbrachte ihre Kindheit im Nachkriegs-Bayern. Sie habe dort am eigenen Leib Diskriminierung erfahren, sagte Schygulla im Interview. Sie betonte, jede Kultur habe ihren eigenen Reichtum, ihre Eigenarten und ihre eigene Art mit Gefühlen umzugehen. Davon könnten alle Bürger in Zukunft profitieren.

Schygulla engagiert sich in Sachen Flüchtlingspolitik und wirbt für die Initiative For a Thousand Lives: Be Human.

Auch vor der Kamera ist sie wieder aktiv. Das Filmportal Imdb kündigt für kommendes Jahr das Indie-Drama Unless an, in dem Schygulla mitspielt.

Sie gehört zu den wenigen Vertreterinnen ihrer Zunft, die auch in französischen Filmen spielten. Und sogar Hollywood rief: Kenneth Branagh gab ihr eine Rolle im Thriller Schatten der Vergangenheit.

In ihrer 2013 erschienenen Autobiografie (Wach auf und träume) erzählt sie von ihrer einzigartigen Karriere, die ihr zahlreiche Preise eingebracht hat. Persönliches lässt sie aber nicht außen vor: Die Nazizeit und ihre Schrecken wirken lange nach, die Kindheitserlebnisse haben sie geprägt, der Vater ist für sie ein vollkommen Fremder, als er aus Kriegsgefangenschaft wiederkommt. So habe sie in der Luft gehangen - ein Gefühl, das sie zeitlebens begleitete.

Diese gewissen Schlüsselerlebnisse waren Minuszeichen in meinem Leben, die ich erst mal durch andere ausgleichen musste, wollte und konnte. Schon als Kind habe sie ihren eigenen Kopf gehabt. Ich bin als Kind gern aus der Rolle gefallen, bevor ich später in die Rollen gefallen bin.

Sie pendelt zwischen dem Buben, der sie gern gewesen wäre, der schönen Prinzessin, dem Flüchtlingskind und dem Münchner Kindl, dem Dickkopf und der Tagträumerin; später dann zwischen der intellektuellen Germanistik-Studentin und der Vorstadt-Marilyn. Die Zulassungsarbeit für das Staatsexamen über Schizophrenie und Sprache bei Karl Valentin bleibt ungeschrieben. Ich wollte raus aus dem Kopf und rein in die Mitte.

Der Zufall habe sie geführt, beschreibt sie ihren Weg. Zufällig begleitet sie eine Freundin in die Schauspielschule, zufällig lernt sie dort Fassbinder kennen, der sie zu seinem künftigen Star erklärt.

Mit ihm hatte Schygulla ihre größte Zeit: Sie beginnt 1969 mit Katzelmacher und Liebe ist kälter als der Tod; nach Effi Briest verlässt sie Fassbinder. Doch nach ein paar Jahren kehrt sie zu ihm zurück - und macht mit ihm weitere Erfolgsfilme: Die Ehe der Maria Braun, Berlin Alexanderplatz und Lili Marleen.

Sie dreht auch mit anderen namhaften Regisseuren, Volker Schlöndorff und Wim Wenders beispielsweise. Aber Fassbinder scheint - wenn auch nicht als Partner - der Mann ihres Lebens gewesen zu sein. Jedenfalls widmet sie ihm in ihrer Autobiografie den weitaus größten Raum. Mit dem Schriftsteller Jean-Claude Carrière war sie 13 Jahre zusammen. Mit ihm wollte sie ein Kind. Er nicht. Er bekam es mit einer anderen.

Mit dem Älterwerden werde die Zeit kostbarer denn je, gibt die Schauspielerin zu. Die Zukunft? Ich glaube, da könnte noch einiges kommen, hat sie bei der Buchvorstellung vor zwei Jahren gesagt. Sich das Beste auf dem Teller für den Schluss aufheben, mache ich nicht mehr, weil ich nicht mehr immer bis zum Schluss esse. Aber ich möchte, dass das Beste zum Schluss kommt.

NAME BERUF ALTER GEBURTSDATUM GEBURTSORT GEBURTSLAND
HEPBURN, Alex britische Sängerin und Songwriterin 29 25.12.1986 London Großbritannien
GERAT, Jasmin deutsche Schauspielerin 37 25.12.1978 Berlin Deutschland
DIDO britische Popsängerin 44 25.12.1971 London Großbritannien