Berlin (dpa) - Joe Jackson ist ein recht eigenwilliger Musiker, der immer wieder gerne gegen den Strom schwimmt. Das amerikanische Magazin "Rolling Stone" nannte ihn einst einen "zornigen jungen Perfektionisten", als er Ende der 70er Jahre maßgeblich am Entstehen von New Wave in England beteiligt war.

Seine musikalische Entwicklung verlief seit Veröffentlichung seiner ersten Platte "Look Sharp" (1979) alles andere als geradlinig. Mit seiner Stilvielfalt hat es der hagere Absolvent der Royal Academy of Music in London seinen Fans dabei nicht immer ganz einfach gemacht.

Nach New-Wave-Hits wie "Sunday Papers" oder "Is She Really Going Out With Him" verblüffte er 1981 mit seinem Album "Jumpin' Jive", auf dem der gelernte Pianist und Vibraphonist plötzlich Swing-Klassiker und Blues-Songs coverte. Damit war Joe Jackson einer der ganz frühen Vorboten des Swing-Revivals, das unter anderem in Robbie Williams' "Swing When You’re Winning" (2001) kulminieren sollte.

Musik ist für Joe Jackson, der heute 65 Jahre alt wird, auch immer Ausdruck seiner Persönlichkeit. Während seines Studiums lauschte er Ludwig van Beethoven und Igor Strawinsky genauso intensiv wie Charlie Parker, Duke Ellington und den Rolling Stones.

Da wirkt dann ein Album wie "Night And Day", Joe Jacksons Hommage an Cole Porter, plötzlich ganz organisch. Der Jazz-Pop seiner fünften Platte wurde auch kommerziell ein riesiger Erfolg und "Steppin' Out" sein größter Hit.

Danach wurde es durch seinen immer weiter fortschreitenden Abschied von der herkömmlichen Popmusik kniffliger. Dafür steht etwa sein Konzeptalbum "Heaven & Hell" (1997), für das Joe Jackson die sieben Todsünden zum Thema machte.

Völlerei, Wollust, Habgier, Faulheit, Zorn, Neid und Hochmut - das biblische Thema diente Jackson als Rahmen, in dem er Elemente aus Rock, Pop, Jazz und Klassik zu moderner zeitgenössischer Musik verbindet. Harte Kost. Mit "Symphony Nr.1" (1999) setzte er noch eins obendrauf.

War Joe Jackson damit endgültig für die Pop-Musik verloren? Keineswegs. Anfang des Jahres überraschte der Wahl-Berliner auf seinem 20. Studioalbum "Fool" mit richtig toller Popmusik, die an seine Großtaten der 70er und 80er Jahre anknüpft. Sicherlich eine seiner vielseitigsten Platten in dieser langen, gewundenen Karriere - wie eine Best-of-Sammlung mit lauter neuen Stücken.