Berlin (dpa) - Sein Ganzkörper-Hygieneanzug und die langen Gummihandschuhe sind in den vergangenen Wochen wohl im Spind geblieben. Sein Terminkalender scheint voll zu sein. "Der Tatortreiniger" Bjarne Mädel steht zurzeit nicht zuletzt auf der Theaterbühne.

Zusammen mit sechs Kolleginnen und Kollegen ist Mädel in "Trilliarden - Die Angst vor dem Verlorengehn" im Schauspielhaus Hamburg live zu erleben. In dem Stück von Ingrid Lausund, die unter dem Pseudonym Mizzi Meyer auch die Drehbücher für die als Kult gehandelte Comedy-Serie "Der Tatortreiniger" schreibt, geht es um den Sinn des Lebens und den unvermeidlichen Tod. Mädel, der früher für fünf Jahre festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus war, sieht darin aus wie ein depressiv-lamentierender "Frührentner aus Kleinknödelheim", wie er sich selbst beschreibt - mit Hut und Hosenträgern. Er sagt dann Sätze wie: "Leben, das ist immer kämpfen. Das Gute ist: Könnte schlechter sein."

Trotz aller ernsten Betrachtungen muss das Publikum also nicht komplett auf Humor verzichten. Tragik und Lachen liegen eben oft eng beieinander. Und Mädel, der heute 49 wird, wirbt munter in einem kurzen Spot auf Facebook: "Leute, kommt gucken!" Nebenbei liefert er den Grund, warum seine Fans auf neue Folgen mit ihm als Tatortreiniger Schotty warten müssen. Wann genau er wieder zu Schrubber und Putzeimer greifen und lossabbeln wird, lässt er allerdings offen.

Geboren am 12. März 1968 in Hamburg, spielt Mädel immer wieder Verlierertypen. Durch seine Rollen als Bürotrottel Ernie in der ProSieben-Serie "Stromberg" (ab 2004) und als ständig überforderter Dorfpolizist Dietmar Donatus Schäffer in der komödiantischen ARD-Krimiserie "Mord mit Aussicht" (ab 2008) war der Wahl-Berliner deutschlandweit bekannt geworden. In acht Folgen der Mediensatire "Der kleine Mann" spielte er 2008 die Titelfigur, einen Elektrofachverkäufer, der für die Werbung entdeckt wird. "Stern.de" befand damals, dass das "die mit Abstand amüsanteste Serie der Saison" und Mädel einer der "witzigsten Schauspieler Deutschlands" sei.

In jüngster Vergangenheit ist der lustige Grimme-Preisträger auch immer wieder in Kinoproduktionen besetzt worden. So war er 2016 im Abtreibungsdrama "24 Wochen" ebenso dabei wie in der Komödie "Unsere Zeit ist jetzt" und in der Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt". Anfang Februar dieses Jahr ist mit ihm als Vater der Hauptfigur die Geschichte von "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" angelaufen.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte Mädel 2016: "Schauspieler bin ich wahnsinnig gern, ich habe aber auch viel Glück gehabt in den vergangenen Jahren. Toi, toi, toi!" Er würde, wenn er könnte, auch nicht viel anders machen. "Aber auf all die Zigaretten, die ich in meinem Leben geraucht habe, würde ich im Nachhinein gern verzichten."