London (dpa) - Als musikalisches Wunderkind eroberte er die Londoner Konzertszene mit der Rhythm-and-Blues-Band Spencer Davis Group: Der 15-jährige Steve Winwood sang die Hits "Keep on Running", "Somebody help me" und "I'm a Man".

Sein Ohrwurm "Gimme Some Lovin'" wurde durch den Blues-Brothers-Film so bekannt, dass der bescheidene Winwood immer wieder gefragt wird, "wieso coverst du den Blues-Brothers-Song", erinnerte er sich in "Rolling Stone". Am Samstag (12. Mai) feiert er seinen 70. Geburtstag.

Winwood wuchs am Rande von Birmingham zwischen Feldern und Ententeich auf. Die Eltern förderten Hausmusik. Er lernte Gitarre- und Klavierspielen schon als Kind. Was er einmal hörte, konnte er nachspielen – kein Wunder also, dass er schon mit neun Jahren Musiker werden wollte. Sein Vater, der ältere Bruder Muff und der junge Stevie spielten zu der Zeit schon in einer Big Band auf Hochzeiten und in Stadthallen; mit zwölf schrieb er seinen ersten Song. Im Stimmbruch entdeckte er Ray Charles und kopierte seinen Stil: "Er sang einfach ganz natürlich als Soulman", erklärte sein Bruder und Plattenmanager Muff Winwood Jahre später.

1967 gründete Winwood die Hippie-Rockband "Traffic", sang, schrieb Songs und spielte je nach Bedarf Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Die Nachbarn beschwerten sich über die laute Musik in ihrer Westlondoner Bude, deshalb zog die gesamte Gruppe in ein Häuschen auf dem Land ohne Strom, "wo wir Wasser aus dem Brunnen holten", erinnerte sich Winwood im "Express".

Jimi Hendrix, Pete Townshend und Eric Clapton kamen oft vorbei; Drogen gehörten natürlich dazu. Eine Freundschaft mit Folgen: Hendrix bat Winwood ins Studio für seinen Klassiker "Voodoo Chile" und Winwood und Clapton gründeten zusammen mit Ginger Baker die kurzlebige Band Blind Faith nach drei Traffic-Alben. Doch erst die Comeback-Platte "John Barleycorn Must Die" von 1970 brachte Traffic den Durchbruch – "der Kern dessen, was Traffic ist, und das definitive Album, das wir gemacht haben", so Winwood. 

Während Punk die Musikszene übernahm, produzierte er sein erstes Soloalbum – das erste von vielen. Denn nach Hammondorgel und Gesang für "Go" (1976) mit Konzeptkünstler Stomu Yamashta wollte er endlich nicht nur als Gastmusiker arbeiten: "Als das fertig war, wollte ich ein Album machen, bei dem ich nicht mit jemandem darüber streiten musste, welche Songs wir machen und wie",  sagte er "Rolling Stone" 1977.

In den frühen 80ern zog er nach New York, später nach Nashville. Erst die poppige Soul-Platte "Back In The High Life" wurde wieder ein Hit und verkaufte sich millionenfach, gefolgt vom 1988er Album "Roll with It", das sich an die Spitze der amerikanischen Charts setzte. Eine angenehme Überraschung für Winwood, der gerade in einer Midlife-Krise steckte und laut "Express" bereits mit dem Gedanken gespielt hatte, seine Karriere aufzugeben: "Ungefähr so wie - hört ein Fußballspieler auf, wenn er gerade die Nase vorne hat, oder fängt er wieder in der unteren Liga an?"

Seither ist es ruhiger um das Multitalent mit der sonnigen Stimme geworden – er fühlt sich eben eher als Musiker als als Songschreiber - doch er hat seine Leidenschaft nicht verloren: Im vergangenen Jahr kam ein Doppel-Album mit seinen größten Hits heraus, und er singt immer noch im örtlichen Chor in den heimatlichen Cotswolds. Seine Karriere beschrieb er zurückhaltend wie immer als "Serie glücklicher Zufälle".  

Nach einer US-Tour im Frühjahr mit Tochter Lilly als Vorband tourt er wieder im Sommer: Am 5. Juli spielt Winwood das nächste Mal in Deutschland, auf dem Open-Air-Festival Kunst!Rasen in Bonn.

Express

Rolling Stone 1988

Daily Mail

Louder

Rolling Stone 1977

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