Berlin (dpa) - Im Juni 2007 änderte sich das Leben von Paul Potts - und Millionen von Menschen waren zu Tränen gerührt. Da kam plötzlich ein etwas übergewichtiger Typ in der Show "Britain's Got Talent" auf die Bühne, der einen schlechten Friseur und keinen Zahnarzt hatte.

Das gefürchtete Jury-Mitglied Simon Cowell rollte abfällig mit den Augen. Was für ein Versager, scheint er zu denken, als Potts auch noch erklärt: "Ich singe Oper". Doch dann ertönt eine sagenhaft klare, saubere und eindringliche Stimme. Schöner hat vielleicht nur Potts großes Vorbild Luciano Pavarotti die Arie "Nessun Dorma" (Keiner schlafe!) aus Puccinis Oper "Turandot" gesungen.

Und da war er, der Gänsehaut-Effekt. Die Jury-Mitglieder blickten erstaunt auf. Lautstarke Ovationen des Publikums. Der Handy-Verkäufer mit dem birnenförmigen Gesicht sang sich in die Herzen von Millionen. Zehn Jahre ist das her und Paul Potts, der heute 47 Jahre alt wird, hat inzwischen längst bewiesen, dass er keine Eintagsfliege ist - wie so viel andere Castingstars.

Vor kurzem erst erschien sein neues Album "On Stage", eine Sammlung an Musical- und Opern-Stücken, die ihn inspirierten oder die er im Laufe seiner Karriere selbst schon gesungen hat. Und natürlich ist "Nessun Dorma" mit drauf.

Als Kind wollte Paul Potts eigentlich Pfarrer werden - wegen der Musik. "Ich dachte, als Pfarrer könnte ich jeden Sonntag in der Kirche stehen und singen. Eine innere Stimme sagte mir: Geh' nach vorn und singe mit den anderen. Mehr als zehn Jahre habe ich im Kirchenchor gesungen", sagte Potts einmal dem "Zeitmagazin".

An der Universität Plymouth studierte der Sohn einer Supermarktkassiererin schließlich Philosophie, wurde nach dem Examen aber arbeitslos: "Anfang der neunziger Jahre schien es unmöglich, irgendeine Stelle zu bekommen, die meinem Abschluss entsprach." Tagsüber hatte er einen Teilzeitjob im Warenhaus, nachts einen im Supermarkt: "Manchmal schlief ich bei der Arbeit sogar im Stehen ein. Das war am Ende nicht mehr auszuhalten. So wechselte ich in einen Laden für Mobiltelefone. Ich war kein schlechter Verkäufer, ich war immer unter den zehn besten in unserer Gegend."

Und sein Geld hat für den Gesangsunterricht ausgegeben. Selbst eine Operation wegen eines Nierentumors sowie ein Schlüsselbeinbruch und Schulden von umgerechnet mehr als 40 000 Euro, die er für seine Ausbildung zum Opernsänger anhäufte, konnten Potts nicht niederringen. "Ich war manches Mal verzweifelt, aber ich habe immer gehofft, dass mein Lebenstraum in Erfüllung geht", sagte er.

Inzwischen ist das Leben von Paul Potts, der sogar vor der Queen gesungen hat, unter dem Titel "One Chance - Einmal im Leben" verfilmt worden. Im November startet der Tenor eine große Tournee durch Deutschland.