Stralsund (dpa) - Die "Kleine Linda" und "Isabell" machten Hartmut Schulze-Gerlach - alias Muck - in der DDR berühmt. Mit seinen Liedern sang sich der Künstler mit der smarten Stimme und dem sorgsam frisierten Haar vor allem in die Herzen der Frauen.

1000 Zuschriften pro Tag, erinnert sich Schulze-Gerlach, habe er damals erhalten. So viele, dass die Autogrammwünsche mit dem Schriftzug "Muck" von einer älteren Nachbarin erfüllt wurden.

Der Sänger und spätere Moderator, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, gehörte Mitte der 1970er Jahre zur ersten Garde des DDR-Schlagers. Auftritte in Kulturhäusern absolvierte er nie. Präsent war er allein durch seine TV-Auftritte in Schlager-Shows oder im "Kessel Buntes". Seine Popularität öffnete ihm das Tor in den Westen.

Dabei sei das Singen nie seine größte Leidenschaft gewesen, gesteht der gebürtige Dresdner, der seinen Spitznamen aus Kindertagen zu seinem Sänger-Pseudonym machte. In seinen mit viel Schmelz interpretierten Liedern ging es vorrangig um Liebe, enttäuschte Gefühle, Romantik. "Ich habe Geld verdient und es hat mich berühmt gemacht." Das Singen, schillernde Auftritte mit dem Fernsehballett, schmachtende Flirts mit der Kamera - Hartmut Schulze-Gerlach bezeichnet diesen Teil seiner Biografie heute als die "bunte Seite meines Lebens".

Weniger bekannt ist, dass er auch rund 1000 Lieder für Kollegen komponierte, unter anderem für Andreas Holm, Thomas Lück und das Duo Hauff&Henkler. Er ist auch Keyboarder und Gitarrist.

Noch vor dem Zusammenbruch der DDR profilierte er sich mit der Talente-Show "Sprungbrett" als Fernsehmoderator. Die Moderation bezeichnet der Künstler rückblickend als seine stärkste Seite. Dieses Talent ermöglichte ihm auch nach der Wende den Start in die gesamtdeutsche Unterhaltungsbranche: Er moderierte bei verschiedenen Radiosendern in Ost und West.

Seit 1995 ist er Moderator der MDR-Sendung "Damals war's". Die Show ist eine musikalische Zeitreise in die Vergangenheit, bei der Schulze-Gerlach historische Bild- und Tondokumente mit augenzwinkernd erzählten Geschichten verbindet. "Das Moderieren ist mir das Wichtigste - den Leuten etwas zu erzählen und sie hören mir zu." Das Sprachgefühl habe er von seiner Mutter geerbt, der Schriftstellerin Tine Schulze-Gerlach.

Die Sendung sichert ihm bis heute Popularität im Osten. Schulze-Gerlach ist überzeugt, dass sich mit dem Mauerfall, nach dem auch er fast bei Null anfing, auch die Spreu vom Weizen trennte. "Alle DDR-Künstler mit Talent und Ausstrahlung haben es geschafft", meint er. Also Karat, Puhdys, Ute Freudenberg, Frank Schöbel und Silly. Muck selbst hatte sich nach der Wende kurz als Countrysänger Thommy Raiker versucht.

Beruflich ist Schulze-Gerlach dem MDR und damit seiner alten Heimat Sachsen treu geblieben. Privat ist er mit seiner Frau, seinem 14-jährigen Sohn und seiner 11-jährigen Tochter am Meer zu Hause. Seit 2003 lebt er auf der Insel Rügen in einem kleinen Ort in der Inselmitte. "Ich wollte immer ans Meer. Die Weite und die Freiheit haben mich hier hingezogen", erzählt er in einer Stralsunder Hafenkneipe.

Hartmut Schulze-Gerlach, ein Mann der eher leisen, zurückhaltenden Töne, passt zu dem Menschenschlag im Norden. "In Dresden klopft mir jeder auf die Schulter, auf Rügen passiert das nicht", sagt er. Dies sei nicht einer mangelnden Popularität im Norden geschuldet. "Die Leute im Norden sind anders veranlagt, sie sprechen mich hier höflich mit "Herr Schulze-Gerlach" an." Eine Form des Umgangs, die ihm liegt. "Man hat dadurch mehr innere Freiheiten."

"Damals war's" ist mit 13 Sendungen pro Jahr die Konstante in seinem Berufsleben, daneben komponiert er weiter. Derzeit arbeitet Schulze-Gerlach an einer Kinder-CD, die im April unter der Schirmherrschaft der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen erscheinen soll. Auf der CD mit dem Arbeitstitel "Paradies - Lieder nicht nur für Kinder" finden sich neben den von Schulze-Gerlach und dem Kinderchor Dresden gesungenen Songs auch die dazugehörigen Halbplaybacks, um Kinder zum Mitsingen und Bewegen zu animieren.

Seinen 70. Geburtstag begeht der Entertainer im Stillen. "Für die Öffentlichkeit bin ich an diesem Tag verschwunden. Ich bin nicht existent." Der Tag habe für ihn keine besondere Bedeutung.

Den Zeitpunkt zum Aufhören will Schulze-Gerlach selbst bestimmen. "Mir soll nicht der Fehler von Thomas Gottschalk oder Biathlet Ole Einar Björndalen passieren, dass die Leute dich nicht mehr sehen wollen oder die Leistung nicht mehr stimmt." Noch - so sagt er - sei es nicht soweit.

Website Hartmut Schulze-Gerlach