Berlin (dpa) - Sie steht gegenwärtig nicht mehr so im Fokus des öffentlichen Interesses wie früher, doch sie bleibt eine feste Größe im deutschsprachigen Literaturbetrieb: Hera Lind ist offenbar eine Schnellschreiberin und veröffentlicht mindestens einen neuen Roman pro Jahr.

In diesem Jahr sind es sogar zwei Neuerscheinungen, die auf dem Konto der seit heute (2. November) 62 Jahre alten Unterhaltungsautorin gutgeschrieben werden können: Nach "Über alle Grenzen" über eine Flucht von Ost nach West, erschienen im Frühjahr 2019, kündigt Held auf ihrer Homepage nun "Vergib uns unsere Schuld" an (erhältlich ab 9. Dezember), beides Romane nach wahren Begebenheiten. Es geht diesmal um eine verbotene Liebe: Eine verwitwete Mutter dreier Kinder sucht den Neuanfang und beginnt eine leidenschaftliche Beziehung mit einem Priester.

Geboren und aufgewachsen im ostwestfälischen Bielefeld, studierte Lind in Köln zunächst die Fächer Theologie und Musik. Aufgrund ihrer großen sängerischen Begabung absolvierte sie parallel eine Ausbildung zur Konzertsängerin und trat unter ihrem bürgerlichen Namen Herlind Wartenberg mit dem Kölner Rundfunkchor auf der ganzen Welt auf.

Während ihrer ersten Schwangerschaft musste sie dann aber mit dem Singen pausieren - und begann mit dem Schreiben. Innerhalb weniger Wochen entstand ihr Debüt "Ein Mann für jede Tonart" (1989), gleich ein Bestseller, der 1993 mit Uwe Ochsenknecht, Gudrun Landgrebe und Katja Riemann verfilmt wurde. Einen noch größeren Treffer landete Lind dann 1994 mit "Das Superweib" (später ebenfalls verfilmt). Sie erzählt darin die Geschichte einer Hausfrau und Mutter, die nach der Trennung von ihrem Mann unter Pseudonym ein Buch schreibt, mit dem sie ihre gescheiterte Beziehung verarbeiten will und dabei berühmt wird...

Mit dem Abstand von Jahrzehnten ist die Autorin, nebenbei Botschafterin der José Carreras Leukämie-Stiftung, inzwischen indes auf Distanz zum "Superweib gegangen. Zu Jahresbeginn 2019 sagte sie dem "Weltbild Magazin" in Augsburg: "Das Buch ist 25 Jahre alt, und ich kann mich weder auf diesen Lorbeeren ausruhen noch entspricht ein solches Genre meinem heutigen Verständnis von zeitgemäßer Frauenliteratur."

Mitte der 90er Jahre war sie ganz oben. Ihre frechen Liebesromane liefen, sie bekam eine eigene Talkshow im Fernsehen, brachte eine Klassik-CD heraus... Es sei alles so leicht gewesen, habe soviel Spaß gemacht, verriet sie 2018 im "Kölner Treff". Und dann kam der tiefe Fall. Mit Anfang 40 hatte sie vier Kinder mit ihrem Lebensgefährten, einem Kölner Arzt - und verliebte sich in einen anderen Mann. Ein gefundenes Fressen für die Presse, das ihr nicht nur das Image zerstörte, sondern auch den Buchvertrag kostete. Hinzu kamen plötzlich Finanzprobleme nach schlechten Geldanlagen.

Doch Lind kam wieder auf die Beine. Sie hat 2006 einen neuen Verlag für ihre "Tatsachenromane" gefunden und ist wieder erfolgreich. Angaben ihrer Website zufolge kann sie bis heute mit einer verkauften Gesamtauflage von 13 Millionen Exemplaren glänzen. Ihre Bücher wurden in 17 Sprachen übersetzt.