Berlin (dpa) - Als Regisseur ist John Waters in den letzten Jahren nur noch selten in Erscheinung getreten, aber der "Pope of Trash" steckt noch immer voller Ideen.

Der Kultfilmer mit dem Bleistift-Schnurrbart, der heute 72 Jahre alt wird, hat im letzten Jahr einen Campurlaub für Erwachsene ins Leben gerufen. Das kam offenbar so gut an, dass es in diesem Jahr eine Fortsetzung gibt. Im September lädt Waters wieder für ein Wochenende nach Kent, Connecticut ein.

Auf dem Programm stehen ein John-Waters-Kostüm-Wettbewerb, bei dem John Waters die Jury ist. Dazu kommen ein Film-Marathon, Hairspray Karaoke, eine Gutenachtgeschichte und Bloody Mary Bingo. 409 Dollar kostet der Spaß, Getränke sind extra. Ein bunter Spaß - wie nicht anders zu erwarten.

Die Karriere von John Waters begann in den 1960er Jahren, als er mit Underground-Kurzfilmen experimentierte. Sein Star wurde Harris Glenn Milstead, der ihm erstmals an einer Bushaltestelle in Baltimore aufgefallen war. Ein Junge, der sich und andere gern frisierte, auch sich selbst schminkte und verkleidete wie ein berühmter Filmstar oder einfach aussehen wollte wie ein bunter Paradiesvogel.

Ab 1966 wirkte Harris Glenn Milstead - jetzt unter seinem Künstlernamen Divine - als Mitglied der Filmcrew "Dreamlanders" in den Spielfilmen von Waters mit. Unter seiner Regie entstanden zwischen 1972 und 1988 Filme wie der Schocker "Pink Flamingos", in dem Divine Hundekot isst und Waters den Titel "Trash-Papst" einbrachte. Mit "Female Trouble" (1974) und "Desperate Living" (1977) wurde daraus eine Trash-Trilogie.

Mit Filmen wie "Polyester" (mit Rubbel- und Riech-Losen im Kino), "Cry-Baby" (1990) oder "Serial Mom - Warum lässt Mama das Morden nicht?" (1994) näherte sich John Waters schließlich mehr und mehr dem Mainstream an.

Sein größter Hit wurde das Filmmusical "Hairspray" (1988), mit dem der schwule Filmemacher auf sarkastische Weise Rassismus und Diskriminierung anprangerte. Divine übernahm die Rolle der schwergewichtigen Edna Turnblad, die ihrer ebenfalls dicken Tochter Tracy vergeblich erklärt, dass man als Pummelchen bei Tanz-Shows keine Chance hat. Mit Divines Tod kurz nach der "Hairspray"-Premiere war für Waters die Ära der wüsten Travestie-Comedys schließlich beendet.

John Samuel Waters Jr. wurde 1946 in Baltimore im US-Staat Maryland geboren. Schon als Kind sei er anders gewesen, erzählte Waters einmal der Deutschen Presse-Agentur, voll des Lobes für seine Eltern. "Als ich klein war, hat mich meine Mutter zu Schrottplätzen gebracht, weil ich von Unfällen und Blut besessen war. Sie haben nicht gewusst, was sie mit mir machen sollen. Aber sie haben das Richtige gemacht und mich ermuntert. Sie haben nicht versucht, mich zu ändern. Ich habe eine tolle Familie. Vermutlich bin ich auch deshalb nicht in der Irrenanstalt gelandet."

Für Waters ist das Filmemachen nach eigenem Bekunden ein Stück Therapie. "Ich habe gelernt, wie ich ein glücklicher Neurotiker sein kann. Aber wenn ich meine Filme nicht gehabt hätte, und keinen Kanal für all die asozialen Dinge - ich weiß nicht, was passiert wäre".

Kreativ tobt er sich längst aber auch anderweitig aus: John Waters macht One-Man-Shows, schreibt Bücher, fotografiert und tritt gelegentlich als Schauspieler auf. In der Kunstszene mischt er auch als Kurator mit.