Berlin (dpa) - Gibt es einen roten Faden in der Karriere von Joel Edgerton? Es sieht nicht danach aus. Der australische Schauspieler setzt ganz auf Vielfalt bei seiner Rollenwahl - und will sich ständig neu ausprobieren.

Er war ein Soldat in "Zero Dark Thirty" (2012), lernte Polo für "Der große Gatsby", verwandelte sich in einen ägyptischen Pharao in "Exodus: Götter und Könige" (2014), mutierte zu einem Ork in dem Netflix-Film "Bright" (2017) und war ein CIA-Agent in "Red Sparrow" (2018).

Eines war für Joel Edgerton, der heute 45 Jahre alt wird, aber schon seit Teenager-Tagen klar: Er wollte unbedingt Schauspieler werden. Es war eine Karriere der kleinen Schritte. Eine Karriere, die sich langsam aber stetig entwickelte. Sein Entrée in die große Filmwelt waren die Star-Wars-Filme "Angriff der Klonkrieger" (2002) und "Die Rache der Sith" (2005), die teilweise in Australien gedreht wurden. Darin spielte er den Onkel von Luke Skywalker.

Die Rolle war ziemlich klein, aber der Schauspieler nutzte seine Chance und bauschte die Bedeutung seines Parts in Gesprächen mit Leuten aus dem Business ordentlich auf: "'Star Wars 'erlaubte mir in diesem Zeitraum von 18 Monaten, während sie den Film zusammenstellten, mich in jedes Meeting zu bluffen, das ich wollte, sagte Edgerton dem Magazin "Total Film". Und mit diesem Bluff katapultierte er sich nach Hollywood.

Seine absolute Erfüllung als Schauspieler fand er schließlich etwas mehr als zehn Jahre später mit dem Film "Loving" (2016). Das Drama von Jeff Nichols sei der Höhepunkt seiner Erfahrung als Darsteller gewesen, sagte Edgerton beim Filmfestival in Cannes.

Der Film handelt von Richard Loving, einem weißen Arbeiter, der verurteilt wurde, weil er 1958 im US-Bundesstaat Virginia eine Schwarze heiratete. Edgerton spielt in "Loving" den in sich gekehrten und verschlossenen Richard. Er habe gelernt, dass Schweigen viel aussagen könne, meinte Edgerton.

Inzwischen hat der Schauspieler seine nächste Karriere-Stufe erklommen. Mit dem aufreibenden Psycho-Thriller "The Gift" stellte er sein Langfilm-Debüt als Regisseur vor. Er wollte einen "intelligenten Thriller" drehen, sagte Edgerton 2015 vor dem US-Kinostart in San Francisco. Die Idee dafür habe er schon lange im Kopf gehabt: "Was passiert, wenn man einem Schüler, von dem man gemobbt wurde, zwanzig Jahre später über den Weg läuft."

Annähernd 60 Millionen Dollar spielte der Film weltweit ein. Ende 2018 kam schließlich seine zweite Regie-Arbeit in die Kinos. Mit "Der verlorene Sohn" inszenierte Edgerton das wahre Schicksal des zwangstherapierten Homosexuellen Gerrard Conley. In der Hauptrolle brilliert Newcomer Lucas Hedges. Und wie schon bei "The Gift" hatte Joel Edgerton auch das Drehbuch geschrieben.

Ausbaufähig ist allerdings noch die Gesangskarriere von Joel Edgerton. Immerhin: Für den Film "The Waiting City" (2009) hat er den smoothen Song "Only Love Is Real" aufgenommen. Auf der Habenseite steht auch noch ein Bob-Dylan-Video zu dem Lied "Duquesne Whistle" - darin taucht er als brutaler Schläger auf. Inszeniert wurde der Clip von Joels Bruder Nash.