Berlin (dpa) - Sie versteht sich auf Klamaukfilme, sie sind regelrecht zu ihrem Markenzeichen geworden. Doch sie kann auch anders. 2019 etwa trat Melissa McCarthy im Mafia-Film "The Kitchen: Queens of Crime" als taffe Gattin eines inhaftierten Gangsters vors Publikum. Im Film wird wenig gelacht.

Auch im skurrilen Drama "Can You Ever Forgive Me?" (2018) hat die US-Schauspielerin, die heute 50 wird, eine ernste Rolle übernommen. Sie mimt darin als Hauptdarstellerin eine schwermütige Autorin, die als Betrügerin auffliegt. Die Rolle brachte ihr ihre zweite Oscar-Nominierung ein.

Als beste Nebendarstellerin war sie bereits in der grotesk überzeichneten, chaotischen Komödie "Brautalarm" (2011) im Rennen um einen Goldjungen. Auch wenn es am Ende nicht geklappt hat, für McCarthy war das ein Höhepunkt ihrer Karriere in Hollywood und gab ihr Schubkraft. Im Showbiz begonnen hatte sie als Stand-up-Comedian in New York.

Jahrelang war die nur 1,57 Meter große, aber schwergewichtige Schauspielerin auf das Fach der "lustigen Dicken" festgelegt worden. In der erfolgreichen TV-Serie "Gilmore Girls" (2000-2007) war sie die beste Freundin der Titelheldin, in der Sitcom "Mike & Molly" indes gab sie die eine Hälfte eines stark übergewichtigen Paares in Chicago, das täglich mit Kalorien zu kämpfen hat.

Es sind oft selbstbewusste Frauen, die Melissa McCarthy spielt - zurückhaltend, freundlich und zuvorkommend sind diese aber nicht immer - und Männer müssen sich häufig warm anziehen. In "Voll abgezockt" (2013), der erste Kinofilm mit ihr in einer Hauptrolle, verkörperte sie eine dreiste Identitätsdiebin und Kreditkartenbetrügerin, eine ruchlose Gaunerin der übelsten Sorte. Sie fluchte in ihrer Rolle wie ein Droschkenkutscher, schlug auch mal zu und kannte auch sexuell keine Hemmungen.

Ebenfalls 2013 glänzte McCarthy an der Seite von Sandra Bullock in "Taffe Mädels" als derbe Polizistin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Wo sie zulangt, wächst so schnell kein Gras mehr. Und wo sie mit Worten nicht weiterkommt, setzt sie einfach die Kraft ihres mächtigen Körpers ein.

Ganz schamlos gab sich McCarthy auch in "Tammy - Voll abgefahren", dem Regiedebüt ihres Ehemannes und Kollegen Ben Falcone (47): Zusammen mit ihrer trinkfreudigen Großmutter (Susan Sarandon) begibt sie sich auf einen Roadtrip, in dessen Verlauf sie einen Jet-Ski demoliert, ein Schnellrestaurant ausraubt, das eigene Auto anzündet und auf einer Lesbenparty landet. Viel turbulenter geht es nicht.

McCarthy wurde für ihr bisheriges Schaffen schon 2015 mit einem Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles geehrt. Seit 15 Jahren ist sie mit Ben Falcone verheiratet. Sie hat mit ihm zwei Töchter, die 2007 und 2010 auf die Welt kamen.

Sie ist weiterhin gut im Geschäft. Die Online-Filmdatenbank Imdb.com kündigt etliche neue Produktionen mit ihr für die nahe Zukunft an, darunter eine Serie.

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