Washington (dpa) - Er könnte es sich einfach machen. Hurtig Parallelen zwischen Richard Nixon und Donald Trump ziehen und daraus satten Profit schlagen - denn wenn einer US-Präsidenten beurteilen kann, dann Bob Woodward. Das schnelle Urteil aber ist ihm zuwider.

Eine Legende ist der Journalist längst, aber auch immer noch ein strenger Lehrer, und seine Prinzipien sind unerschütterlich. Heute wird Woodward 75 Jahre alt.

"Jeder hat seine Version der Wahrheit", sagte Woodward bei einer Veranstaltung im Februar, "dabei gibt es Fakten". Seine Studenten lehrt er online, wie wichtig menschliche Quellen seien, nicht nur Daten und Unterlagen. Und er fordert: "Sammelt. Niemand gibt Euch alleine das ganze Bild." Oft bekomme man als Journalist einen Mix aus Wahrheit und Unwahrheit. "Unser Job? Verifizieren."

Vorurteilslose Berichterstattung sei viel wichtiger als Emotionen, sagte er Ende 2017 bei CNN. Ihm missfalle die Selbstgerechtigkeit und der Spott vieler Kollegen. "Bei Nixon hatten wir die Haltung: Hey, wo sind die Fakten?"

Nixon, Woodwards größter Coup: Damals keine 30 Jahre alt, deckte er zusammen mit seinem damaligen Kollegen Carl Bernstein Anfang der 70er Jahre die Watergate-Affäre auf. Sie ist der bis heute trotz mancher Konkurrenz größte politische Skandal der jüngeren US-Geschichte. Ein Geflecht aus Verschwörung, Wahlkampfmanipulation, Amts- und Machtmissbrauch erschütterte die USA, stürzte sie in eine tiefe politische Vertrauenskrise. Im August 1974 trat der Republikaner Nixon als erster und bislang einziger US-Präsident zurück.

Jahrzehnte später, in einer Ära geprägt von Brandsätzen gefälschter Nachrichten und um die Welt rasender Verschwörungstheorien, sagt Woodward: "Wir leben in extrem wichtigen Zeiten. Wir werden herausgefordert. Da machen wir uns besser nicht in die Hose."

Woodward stammt aus Illinois, studiert Geschichte und englische Literatur, dient fünf Jahre in der Navy. Statt für ein Jurastudium entscheidet er sich für eine Bewerbung bei der "Washington Post" - wo die spätere Lichtgestalt eine zweiwöchige Probezeit nicht übersteht.

Nach einem Jahr bei einer Wochenzeitung startet Woodward dann im September 1971 doch noch bei der "Post". Er beginnt als Polizeireporter, abends von 18.30 bis morgens um 2.30 Uhr. Ben Bradlee stellt ihn ein, der legendäre Chefredakteur. Der wird später sagen: "Den Einfluss, den Bob Woodward auf meine Zeitung und meine Zeit als Chefredakteur hatte, kann man gar nicht überschätzen. Er ist mit Sicherheit der beste investigative Reporter seiner Generation. Woodward hat sich seit Watergate an der Spitze gehalten."

Ausgeruht hat Woodward sich tatsächlich nie. Er ist Autor von 18 Büchern, darunter 12 Nummer-eins-Bestseller. Das berühmteste war sicher 1974 "All The President's Men" über Watergate, zusammen mit Bernstein. Alan J. Pakulas Verfilmung ("Die Unbestechlichen") mit Robert Redford und Dustin Hoffmann machte Woodward 1976 erst recht unsterblich. Seinen Darsteller Redford soll Woodward eng begleitet haben, bis zu vier Mal am Tag telefonierten die beiden miteinander.

Für seine Arbeiten zu Watergate erhielt Woodward 1973 den Pulitzer-Preis, einen zweiten 2003 für die Berichterstattung über die Anschläge des 11. September 2001. Dazu kamen über die Jahre viele namhafte Auszeichnungen des US-Journalismus. Kritisiert wurde Woodward dafür, dass er oft Informationen für seine Bücher gehortet habe, statt sie zu aktuellen Geschichten der "Post" zu verarbeiten.

Seine Social-Media-Präsenz wirkt ein wenig verhalten, 77 Tweets bei 31 700 Followern (@realBobWoodward), aber er braucht das nicht. Auf Veranstaltungen wird er bis heute mit Ovationen empfangen. In Werbeclips nimmt er sich wegen seiner Liebe zu seiner Schreibmaschine auf die Schippe.

Mehr als 40 Jahre lang hat er US-Politik schreibend für die "Washington Post" begleitet, heute führt sie ihn als Mitherausgeber. 2016 hatte er fünf Geschichten und Interviews im Blatt, darunter eines mit Donald Trump. 2017 folgte eine Story über das Pentagon, 2018 war es bisher eine über einen Vergleich zwischen Nixon und Trump.

Frage bei einer Veranstaltung im Januar: Mr. Woodward, führen die Russland-Ermittlungen in der Trump-Regierung zu einem neuen Watergate? Er verneint, niemand wisse, wohin die Untersuchungen führten. Trump wirft er zwar vor, mit seinem ständigen Getwitter der Lösung von Problemen im Weg zu stehen. Allerdings fügten sich diese Tweets auch trefflich in eine immer erregungsbereite Medienlandschaft, vor allem wegen des Fernsehens.

"Auf beiden Seiten des Geschäfts sind zu viele Leute, die emotional aus dem Gleichgewicht sind", sagt Woodward über Medien und Politik. "Wir wertschätzen Meinung ein Vielfaches mehr als Fakten. Aber wir müssen, müssen die Fakten bringen. Wir sollten leidenschaftslos sein."

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