Berlin (dpa) - Sie war eine der bekanntesten Theaterschauspielerinnen Berlins. Doch erst mit "Wolke Neun", einem von Andreas Dresen inszenierten Spielfilm, wurde Ursula Werner vor zehn Jahren deutschlandweit bekannt.

Heute feiert sie ihren 75. Geburtstag. Von einem beschaulichen Rentnerleben kann nicht die Rede sein. Zwei neue Spielfilme mit ihr kommen demnächst ins Kino.

Geboren wurde Ursula Werner mitten im Zweiten Weltkrieg, am 28. September 1943 in Eberswalde. Die Angst vor den Bomben hatte die Mutter zur Flucht aus Berlin in die Uckermark veranlasst. Der Vater musste als Soldat Kriegsdienst leisten. In Friedrichswalde verbrachte Ursula Werner die ersten Jahre ihrer Kindheit. Nach der Rückkehr des Vaters, eines Handwerkers, zog die Familie wieder nach Berlin.

In ihrer 2014 im Verlag Das neue Berlin erschienenen Autobiographie "Immer geht’s weiter..." vermutet Ursula Werner, dass ihr Drang zur Bühne vielleicht von der privaten Sangeslust ihres Vaters genährt wurde. Sie wollte allerdings zunächst Architektin werden. Dazu musste sie in der DDR eine Tischlerlehre absolvieren. Durch Zufall wurde sie 1962 auf einer Party für eine Rolle in einem Studentenfilm entdeckt. Das entschied ihren weiteren Lebensweg.

Nach dem Studium an der Berliner Schauspielschule, der heutigen Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", folgte Mitte der 1960er Jahre ein erstes Engagement nach Halle. Entscheidend waren aber die anschließenden Jahre am Ost-Berliner Kabarett "Die Distel". Im dpa-Gespräch erinnert sich Ursula Werner: "Da habe ich alles gelernt, wie man Pointen setzt, wie man das Publikum bekommt. Eine gute Schule."

Das "Glück des Berufes", wie Ursula Werner im Gespräch sagt, hat sie in den Jahren 1974 bis 2009 als festes Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater in Berlin erlebt. Hier hat sie in klassischen und modernen Rollen die ganze Bandbreite ihres Könnens, von tragisch bis komisch, zeigen können. Legendäre Inszenierungen, etwa "Drei Schwestern" (1979), "Die Übergangsgesellschaft" (1988) und "Der Biberpelz" (2007), prägte sie mit ihrem kraftvollen Spiel.

Werner war schon einer der bekanntesten Theaterstars Ostberlins. Fernsehen und Kino der DDR nutzten vor allem ihr komisches Talent. Mit der Hauptrolle in der Komödie "Ein irrer Duft von frischem Heu" eroberte sie sich 1977 eine enorme Popularität. Doch Ursula Werner blieb auch privat so bodenständig wie die meisten von ihr verkörperten Figuren. Dazu sagt sie in der Rückschau: "Zum Abheben hatte ich nie das Talent. Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Das hat mich geprägt, bis heute."

Nach dem Ausscheiden aus dem Ensemble des Maxim Gorki Theaters war sie immer wieder in kleinen und größeren Rollen im Fernsehen zu erleben. Mit "Wolke Neun" kam der ganz große Erfolg. In dem 2008 bei den Filmfestspielen von Cannes in der Nebenreihe "Un Certain Regard" uraufgeführten und mit dem Coup-de-Cœur-Preis ausgezeichneten Spielfilm von Autor und Regisseur Andreas Dresen begeistert Ursula Werner als Pensionärin, die der großen Liebe ihres Lebens begegnet.

Ursula Werner sieht "Wolke Neun" als, wie sie es nennt, "wunderbares Geschenk". Seitdem folgten einige gute Filmrollen, so 2013 im Familiendrama "Schwestern". Im Rückblick meint sie jedoch, dass die Jahre am Theater die besten waren: "Es war immer das Schönste, wenn ich nach einer Premiere gespürt habe, dass wir mit unserer Arbeit angenommen worden sind, dass wir verstanden wurden." Generell nennt sie als das Entscheidende ihres Berufes "die Möglichkeit, gute Gedanken in die Welt zu setzen". Sie meint: "Das ist die Chance und die Verpflichtung unseres Berufs: Wir können die Welt nicht ändern, aber wir können das Publikum dazu bringen, über die Welt nachzudenken und dann im Kleinen was zu tun."

Über ihren runden Geburtstag redet die Jubilarin nicht so gern. Wichtiger ist ihr, dass sie demnächst in zwei Spielfilmen der Regisseurin Caroline Link zu sehen sein wird. Ende des Jahres startet "Der Junge muss an die frische Luft", nach den Memoiren von Hape Kerkeling. Die Romanverfilmung "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" soll im Laufe des kommenden Jahres ins Kino kommen.