Würzburg (dpa) - Zumindest auf landespolitischer Ebene ist es in den vergangenen Monaten ruhig um Barbara Stamm geworden. Wer aber glaubt, dass die Würzburgerin noch immer ihrem unfreiwilligen Karriereende im bayerischen Landtag nach der Landtagswahl im Oktober 2018 nachtrauert, der irrt.

"Das war damals meine Entscheidung, und zu der stehe ich", sagt die dreifache Mutter, die heute ihren 75. Geburtstag feiert. Und letztlich habe sie zwar den Einzug in den Landtag über einen Listenplatz verpasst, aber ihre Kandidatur habe der CSU ja dennoch viele Stimmen eingebracht.

In ihrer Partei ist Stamm weiterhin eine wichtige Stimme. Als die Christsozialen jüngst auf dem Parteitag in München laut und nicht immer sachlich über eine neue Frauenquote streiten, hält es Stamm nicht auf ihrem Stuhl. Der Verlauf der Debatte, das Gegröle und die Wortwahl schmerzten sie persönlich, ruft sie den Delegierten zu. Sie appelliert an alle Redner, sich zu fragen, welches Bild die CSU somit in der Öffentlichkeit abgebe. Und anders als bei vielen anderen Wortmeldungen hat man während Stamms Beitrag das Gefühl, als würden sowohl Kritiker als auch Befürworter der Frauenquote genauer zuhören.

Auch wenn Stamm keine glühende Verfechterin einer Frauenquote ist, die Debatte in der CSU ist ihr schon nahe gegangen. Der emotionale Umgang mit dem Thema passt genau zu Barbara Stamm. Und genau dies hat ihr über die Jahrzehnte seit ihrem ersten Einzug in den Landtag auch die Sympathien der Menschen in Bayern eingebracht und in der CSU gilt sie auch nach der schmerzhaften Wahlniederlage als soziales Gewissen. "Ich habe noch immer viele Anfragen aus der Basis, auch für den Kommunalwahlkampf", sagt Stamm.

Trotz des unfreiwilligen Karriereendes behält Stamm ihre Karriere positiv in Erinnerung. Seit knapp einem Jahr arbeite sie sich durch ihr persönliches Archiv, viele Kisten mit Unterlagen und Fotos habe sie bereits an das Staatsarchiv gegeben. Ob sie am Ende auch noch ein Buch über ihr Leben schreiben werde, sei offen. Ansonsten genieße sie es, mehr Zeit für sich, die Familie und Freunde zu haben: "Das tut mir gut", sagt sie.

Seit 1976 saß Stamm für die CSU im Landtag. In den 1980er Jahren stieg sie die Karriereleiter empor, wurde stellvertretende Fraktionschefin und Staatssekretärin im Kabinett von Franz Josef Strauß. 1994 wurde sie Sozialministerin unter dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Diese Amtszeit ging 2001 im Sturm der BSE-Krise zu Ende: Stoiber setzte sie wieder vor die Kabinettstür. Stamm war tief verletzt und fühlte sich als Bauernopfer.

Doch Hinterbänklerin wurde sie auch nach dem Verlust ihres Ministeramtes nicht. Sie blieb - wie durchgehend seit 1993 - stellvertretende Vorsitzende der CSU, erst 2017 gab sie das Amt ab - freiwillig, wie sie damals sagte. "Soziales Gewissen der CSU" - das ist eine der Umschreibungen für die Unterfränkin. Auf den Parteitagen erzielte sie meist das Top-Ergebnis aller Vizes. 2008 wurde sie erstmals zur Landtagspräsidentin gewählt - nachdem sie zuvor eine schwere Krebserkrankung hatte durchstehen müssen.

Stamm ist stürmische Zeiten gewöhnt, vor allem beruflich. Als Landtagspräsidentin kostete sie die Aufarbeitung der Abgeordnetenaffäre im Jahr 2013 viel Zeit, Kraft und Nerven. Auch ihre eigene Partei hat ihr viel abverlangt - immer wieder musste sie bei internen Streitigkeiten, bei Machtkämpfen, vermittelnd eingreifen. Nicht selten geriet sie dabei selbst in die Kritik. "Davor ist man in der Politik nie gefeit", sagt sie rückblickend.

Ihren Geburtstag wird Stamm im Kreis der Familie und mit Freunden feiern. Wegen der großen Nachfrage habe sie sich aber auch dazu entschieden, am 3. November bei einem Bürgerempfang in Würzburg "größer zu feiern." Dafür habe sie aber eine Riesenbitte: "Bitte keine Geschenke", sagt sie. Wer ihr eine Freude machen wolle, der könne aber gerne für zwei von ihr ausgewählte Hilfsprojekte spenden.