Berlin (dpa) - Er hat Ermittler und Lehrer verkörpert, Richter und Ärzte oder einen der sieben Zwerge. Zuletzt war Gustav Peter Wöhler im April als TV-Bürgermeister in der Satire "Größer als im Fernsehen" sowie bis vor ein paar Tagen als Milchmann Tevje aus "Anatevka" auf der Bühne in Schwerin zu sehen.

Angefangen hat der Schauspieler am Theater, seit Ende der 80er Jahre steht er auch regelmäßig vor der Kamera. Die Liste der Filme, in denen er mitgespielt hat ist lang. Er versteht sich darauf, auch in Nebenrollen zu glänzen, er schöpft sie voll aus. Heute wird er 63 Jahre alt.

Auch als Sänger mit einer Band, die seinen Namen trägt, hat sich Wöhler längst ein Publikum erobert. Noten lesen kann er aber nicht. Die Programme wechseln, immer sind es sehr persönliche, energiestrotzende Neuinterpretationen von Songs aus Pop und Rock. Im August ist das Quartett wieder auf Tour, wie Wöhler auf seiner Homepage ankündigt.

Das zweite Standbein ist für den Schauspieler übrigens mindestens so wichtig wie die Film- oder Theaterarbeit. "Die Musik hat mich auf der Schauspielschule gerettet. Beim Vorsprechen fanden mich die Lehrer 'nicht wirklich schlüssig', wie es damals hieß. Aber dann bekam ich vier Musikstücke (...) und sollte dazu improvisieren. Das lief so gut, dass sie mich dann doch genommen haben", erzählte er 2016 dem "Hamburger Abendblatt".

Geboren am 31. Juni 1956, wuchs Wöhler am Rande von Herford in Ostwestfalen als jüngstes Kind eines Gastwirtehepaars auf. Seine Mutter starb, als er gerade mal acht Jahre alt war, sein Vater, als er 14 war. Danach lebte er bei seiner 20 Jahre älteren Schwester, machte - weil er mitverdienen musste - nach der Mittleren Reife eine Lehre zum Großhandelskaufmann.

Doch das war nicht das Richtige für ihn. Er legte das Fachabi ab, weil er Sozialpädagogik studieren wollte. Ein Lehrer, der sein künstlerisches Talent erkannte, riet ihm indes zu einer Ausbildung als Schauspielschüler in Bochum, wo er 1981 gleich vom gefeierten Theaterregisseur Claus Peymann (82) engagiert wurde. 1982 holte ihn Peter Zadek (1926-2009) ans Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg.

Anfang der 90er Jahre begann er, parallel in vielen Fernseh- und Kinoproduktionen mitzuwirken, darunter im "Tatort", im "Polizeiruf 110", in der Krimiserie "SK Kölsch", "Das Wunder von Lengede" oder in "Bin ich schön?".

Schon vor Beginn der Schauspielschule hat Wöhler sich als homosexuell geoutet. Nach mehreren Beziehungen, die zerbrachen, ist er seit 2005 mit Albert Wiederspiel zusammen, dem Leiter des Filmfests Hamburg, seit 2008 mit ihm verpartnert und seit 2018 verheiratet. Groß gefeiert hätten sie ihre offizielle Eheschließung nicht, verriet er im Mai in der "NDR Talkshow". "Ohne Trauzeugen.... Keine Hochzeitstorte, wir sind mittags lunchen gegangen. Das war's dann."

Zu seinen charakteristischen Eigenschaften gehört, dass er sich nicht so ernst nimmt. "Ich nehme mich natürlich ernst im Menschsein, im Dasein, im Umgang mit meinen Mitmenschen. Aber ich kann über mich selbst lachen", sagte er ein einmal der "Volksstimme". "Wenn jemand zu mir sagt: 'Du bist klein, dick und sexy', dann antworte ich aus vollstem Herzen: 'So ist es.'"