Düsseldorf (dpa) - Wenn sie daheim im Wasserturm in Frechen sitzt, hat sie einen schönen Rundumblick. Besonders genießt es Tina Theune, wenn über dem Kölner Dom die rotgefärbte Sonne zu sehen ist. "Manchmal kann ich auch bis zum Siebengebirge schauen. Das ist schon toll", sagt Theune der Deutschen Presse-Agentur.

Heute wird die Vorreiterin des deutschen Frauenfußballs 65 Jahre alt, doch an die Rente denkt sie nicht. "Ich bin ja noch mittendrin, habe noch viel Lust und Freude an meiner Arbeit."

Ihren Geburtstag wird Theune "ruhig" verbringen. Statt einer großen Party gibt es mehrere kleine Events. Ihre Familie in Kevelaer will sie besuchen, mit Freunden in Gummistiefeln am Rhein wandern, um "Dinge zu finden". Auch eine kleine Feier mit Nachbarn ist geplant. "Wir verteilen das auf mehrere Tage", berichtet Theune.

Die in Kleve am Niederrhein geborene Pfarrerstochter, die mit vier Schwestern aufwuchs, war in Sachen Frauenfußball immer die Erste. Zwar musste sie ihre Karriere als Spielerin nach einer Knieoperation relativ früh beenden, doch ihrem Sport blieb sie ein Leben lang treu.

Als erste Frau in Deutschland erwarb Theune 1985 die Fußball-Lehrerlizenz und heuerte ein Jahr später beim DFB als Honorarcoach und Assistenztrainerin von Frauen-Bundestrainer Gero Bisanz an, der damals auch die Fußball-Lehrerausbildung leitete. "Gero hat viel verändert. Von ihm habe ich sehr viel gelernt", sagt Theune über ihren Förderer, an dessen Seite sie drei EM-Titel (1989, 1991, 1995) holte und 1995 zur Vize-Weltmeisterschaft beitrug.

Nach der olympischen Frauenfußball-Premiere 1996 in Atlanta übernahm sie von Bisanz als erste Frau das Amt der Nationaltrainerin, Silvia Neid wurde ihre Assistentin. Bereits ein Jahr später führte Theune ihr Team in Norwegen und Schweden zum ersten von drei EM-Titeln als Cheftrainerin. Der größte Coup gelang Theune (damals noch unter dem Namen Theune-Meyer) mit dem Gewinn des ersten deutschen WM-Titels der Frauen 2003. Im legendären Finale von Carson gelang Nia Künzer per Kopf das Golden Goal zum 2:1 gegen Schweden. Wieder ein Novum: Erstmals führte eine Trainerin ein Frauen-Team zum WM-Triumph.

Zuvor hatte die DFB-Auswahl um Bettina Wiegmann, Maren Meinert, Torhüterin Silke Rottenberg und Stürmerin Birgit Prinz im Halbfinale sensationell den hoch favorisierten Gastgeber und Titelverteidiger USA besiegt. Das 3:0 gegen Mia Hamm und Co. gilt bis heute als eines der besten Frauen-Spiele der Historie. Theune schwärmt von ihrem Team: "Die Mannschaft war klasse, mit vielen guten Typen. Witzig, kreativ, eingeschworen und couragiert." Gegen die USA habe man mit Rottenberg eine "Hexerin im Tor" gehabt, eine "stabile Abwehr", ein "herausragendes Mittelfeld" und eine "gnadenlose Torjägerin".

Bei der Rückkehr wurde der DFB-Tross am Frankfurter Römer von Zehntausenden Fans gefeiert. Der Erfolg löste in Deutschland einen Frauenfußball-Boom aus, der lange nachwirkte. Nach der EM 2005 in England ("Ein schöner Abschluss") übergab die Taktikexperin ihr Amt an die danach ebenso erfolgreiche Silvia Neid.

"Tina gibt immer 100 Prozent, ist extrem akribisch. Für sie gibt es keine halben Sachen", lobt Ex-Nationalspielerin Renate Lingor, die seit Jahren beim DFB in Frankfurt ein Büro mit ihrer ehemaligen Trainerin teilt. "Besonders schätze ich ihre Ehrlichkeit. Man wusste und weiß immer, woran man ist. Und wir lachen sehr viel."

Ein Leben für den Frauenfußball: Noch immer ist die Hobby-Fotografin in Vollzeit beim DFB beschäftigt: Talentsichtung und Eliteförderung, Trainer-Weiterbildungen, Professionalisierung und Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sind nur einige ihrer Aufgabenfelder. Auch für den Weltverband FIFA war sie in verschiedenen Funktionen tätig.

Sehr guten Kontakt pflegt sie zu Horst Hrubesch, der die Nationalelf seit März interimsmäßig betreut. Ihm bescheinigt sie einen super Job: "Er ist ein Toptrainer und hat es richtig gut hingekriegt. Spaß und das Selbstverttrauen sind zurück."

Auch wenn die großen Erfolge der DFB-Auswahl nach Olympia-Gold 2016 ausblieben, ist Theune vor der Zukunft nicht bange. Bei der WM in Frankreich 2019 traut sie dem Team mit der künftigen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg einiges zu. "Ich glaube, dass wir eine gute Rolle und um den Titel mitspielen können. Das ist der Anspruch."