München (dpa) - Ob als "Bastian", in "Salto Mortale" oder als Freund von Tiffy und Samson in der "Sesamstraße": In den 70er und 80er Jahren eroberte Horst Janson in quotenstarken Fernsehsendungen das Publikum.

Bis heute ist er vielen Zuschauern mit diesen Rollen in Erinnerung. Seitdem ist viel Zeit vergangen, zahlreiche Serien, Filme und Theaterengagements folgten. Am diesem Sonntag wird Janson - auch wenn man es ihm nicht ansieht - 85. Eine große Geburtstagsfeier plant der blonde Sympathieträger jedoch nicht, wie er der Deutschen Presse-Agentur erzählte.

Dass er jetzt 85 wird, findet Janson selbst erstaunlich: "Ich bin immer wieder überrascht, dass es mir so gut geht." Passend zu seinem Ehrentag hat er eine Autobiografie mit dem Titel "Der 85-Jährige, der morgens aufstand und immer noch jung war" geschrieben. Darin verrät er unter anderem, wie er sich fit hält: mit einer zehnminütigen Morgengymnastik täglich. Ansonsten, so sagt er, fühle er sich deutlich jünger und werde auch immer deutlich jünger geschätzt.

Das jugendliche Aussehen sei aber längst nicht nur von Vorteil gewesen. Immer wieder seien ihm auch Rollen durch die Lappen gegangen, weil er zu jung und schlaksig gewirkt habe. Aber: "Ich will nicht klagen. Ich bin hoch zufrieden." Kürzlich habe er für die Krimireihe "SOKO München" im ZDF einen verhärmten alten Mann spielen dürfen, das sei ein großes Vergnügen gewesen. Und seine wohl erfolgreichste Rolle bekam er im Alter von 37 - da spielte er ausgerechnet einen Studenten.

Seine damalige Agentin habe die Anfrage vom ZDF damals direkt ablehnen wollen. Doch er las das Drehbuch und sagte zu. Bis zu 15 Millionen Menschen pro Folge saßen 1973 vor den Fernsehgeräten, als "Der Bastian" im Vorabendprogramm gezeigt wurde. Die Geschichte über den draufgängerischen Studenten, der in eine Ärztin verliebt ist, lässt Janson bis heute nicht los. Die Rolle sei ein "absoluter Glücksgriff" gewesen, schreibt er in seiner Autobiografie. Es vergehe kaum ein Tag, an dem er nicht mit "Bastian" angesprochen werde.

Seine erste Rolle hatte der gebürtige Mainzer schon als Schüler in einem Grillparzer-Stück gespielt. Später nahm er Schauspielunterricht in Wiesbaden und stand weiter auf der Theaterbühne. Seine erste Filmrolle folgte 1959 in "Die Buddenbrooks", von da an reihte sich quasi ein Engagement ans nächste.

Einem Millionenpublikum wurde er als Sascha in der Zirkusserie "Salto Mortale" bekannt, in der er von 1969 bis 1972 mitspielte. Kinder bewunderten und beneideten ihn Anfang der 80er Jahre, weil er mit Tiffy und Samson in der "Sesamstraße" wohnen durfte. Ob "Forsthaus Falkenau", "Immenhof", "Ein Fall für zwei", "Tatort" oder Rosamunde Pilcher-Romanzen - kaum eine Fernsehreihe, in der Janson nicht zu sehen war. 2005 und 2006 stand der leidenschaftliche Hobbysegler für die TV-Serie "Unter weißen Segeln" als Kapitän vor der Kamera.

Auch international wurde Janson engagiert. In den 70er Jahren spielte er an der Seite von Hollywoodstars wie Tony Curtis, Peter O'Toole, Richard Burton und Charles Bronson. Wer könne schon von sich behaupten, dass er "von Roger Moore auf Malta erstochen wurde?", schreibt er in seinem Buch über diese erlebnisreiche Zeit. Daneben sei es ihm immer wichtig gewesen, Theater zu spielen, erzählt Janson. Sein Lieblingsstück: "Der Alte Mann und das Meer" nach der Novelle von Ernest Hemingway. Auch bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg trat er auf.

Bis ins fortgeschrittene Alter arbeiten zu können, sei ein Privileg seines Berufes, sagt Janson. Und er hofft, dass es noch eine Weile so weiter geht. Er habe in seiner Laufbahn großes Glück gehabt, und vieles sei ihm einfach zugeflogen. Jedoch: Wenn man die Erwartungen, die in einen gesetzt würden, nicht erfülle, könne es auch schnell vorbei sein mit der Karriere. Insofern habe er wohl "offensichtlich auch einiges richtig gemacht", bilanziert er.

Privat fällt seine Bilanz auch positiv aus: Seit fast 40 Jahren ist Janson mit seiner zweiten Frau Hella verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Grünwald bei München. Dass ihm besonders in den 70er Jahren das Image des Frauenschwarms anhaftete, verhehlt er in seinem Buch nicht. Und dass er vor gut zehn Jahren wegen Finanzproblemen Schlagzeilen machte, schadete dem Sympathieträger nicht nachhaltig.

Nun freut er sich auf seinen Geburtstag - und darauf, nach einer Corona-bedingten Arbeitspause Anfang 2021 in Düsseldorf wieder auf der Bühne stehen zu können.

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