London (dpa) - Kureishis Erfolgsstück "Mein wunderbarer Waschsalon" platzierte ihn 1985 auf der literarischen Landkarte Londons: Eine pakistanisch-englische Liebesgeschichte zwischen zwei Schwulen, die von Stephen Frears mit Daniel Day-Lewis verfilmt wurde.

Sie brachte dem britisch-pakistanischen Autor eine Oscar-Nominierung fürs beste Drehbuch ein. Heute feiert Hanif Kureishi seinen 65. Geburtstag.

Seit seiner Kindheit musste sich Kureishi immer wieder mit Rassismus und Vorurteilen auseinandersetzen; diese Erfahrungen ziehen sich durch sein gesamtes Werk. "Es war ein verdammter Alptraum und harte Arbeit, und du vergisst das nie", sagte er dem "Telegraph".

Kureishi stammt aus demselben Londoner Vorort - Bromley - wie das verstorbene Pop-Chamäleon David Bowie. Der Star in Frauenkleidern half ihm in den 60er und 70er Jahren, seine Identität zwischen englischer und pakistanischer Kultur zu finden: "Er sagte, Identität ist nur eine Maskerade", erinnerte sich Kureishi.

Seine Eltern hatten sich bei einem Blind Date in London kennengelernt - er kam aus Pakistan und arbeitete an der Botschaft, sie stammte aus der englischen Arbeiterklasse. Kureishi reichte mit 14 seinen ersten Roman bei einem Verlag ein; die nächsten beiden wurden ebenfalls abgelehnt. Daraufhin versuchte er sich an Bühnenstücken.

Fünf Jahre nach seinem Durchbruch mit "Mein wunderbarer Waschsalon" gewann Kureishis halb-autobiographischer "Buddha aus der Vorstadt" (1990) den Whitbread Book Award als bester Erstlingsroman. David Bowie schrieb den Soundtrack für die BBC-Verfilmung. Kureishis Alter Ego, der Immigrantensohn Karim, möchte kurz vor Thatchers Regierungsbeginn raus aus einer Londoner Vorstadt. Sex, Drogen und der Sound Londons ermöglichen ihm den Absprung als erfolgreicher Schauspieler, während sein Vater zum spirituellen Guru - zum Buddha der Vorstadt - wird.

Kureishi fühlte sich immer schuldig dafür, dass er so schnell so viel Erfolg hatte. Eine Demütigung für seinen Vater, der Romane und Dramen in seiner Freizeit schrieb, ohne dass sie jemals veröffentlicht wurden. "Ich schämte mich ziemlich, dass es so einfach für mich und so schwer für ihn war", sagte Kureishi dem "Telegraph". In seinen Memoiren "Mein Ohr an Deinem Herzen" setzte er sich mit dem Leben seines Vaters auseinander.

Seine Familie sieht es nicht so gern, dass er nicht nur sein, sondern auch ihr Leben wiederholt für seine Bücher ausbeutet. Er wurde vor allem 1998 für seinen Roman "Rastlose Nähe" kritisiert, in dem ein Schriftsteller seine Frau und zwei Kinder für eine jüngere Frau verlässt. Kurz vorher hatte Kureishi seine Frau mit den gemeinsamen Zwillingssöhnen sitzen lassen. Später verteidigte sich Kureishi im "Telegraph": "Kunst muss sich für dich und andere Menschen gefährlich anfühlen; dann funktioniert sie."

Inzwischen erforscht er in seinen Werken das Altern und den Tabubereich Sexualität, wie mit dem Film "Die Mutter - The Mother" (2003) und mit der Komödie "Venus" (2006), für die der 2013 verstorbene Peter O’Toole mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde. Auch in seinem letzten Film, "Le Week-End" (2013), versucht ein alterndes Ehepaar, seiner Beziehung wieder frisches Leben einzuhauchen.

Bis heute wundert - und freut - sich der Bestseller-Autor darüber, wie er es geschafft hat, sich als Schriftsteller jahrzehntelang finanziell über Wasser zu halten. Einer seiner Söhne sei einmal in sein Arbeitszimmer gekommen, habe sich mitleidig umgesehen und gesagt: "Das ist alles, was du tust, nicht wahr, du sitzt den ganzen Tag herum." "Aber ich mag es, weil ich in meiner Vorstellung lebe", sagte Hanif Kureishi dem "Irish Examiner". "Ich sitze nicht in einem Gefängnis."