Berlin (dpa) - Steve Miller hatte großartige Lehrmeister: Sein Vater war zwar Pathologe, aber zu seinem Bekanntenkreis gehörten berühmte Musiker wie der Jazz-Kontrabassist Charles Mingus und der legendäre Gitarrenbauer Les Paul, der dem kleinen Steve sogar einige Griffe beibrachte. Da waren die Würfel gefallen.

Bereits mit zwölf Jahren gründete Steve Miller, der heute 75 Jahre alt wird, seine erste Band. Nach zahlreichen Umbenennungen wurde daraus schließlich die Steve Miller Band, die gleich mit ihrem ersten Album "Children of the Future" (1968) die Kritiker begeistert.

Die spacige Blues-Rock-Band würde "eine superkompakte und superrhythmische Einheit" abgeben, befand "Rolling Stone"-Herausgeber Jann Wenner und lobte darüber hinaus, dass die Gruppe "ohne instrumentalen Tand oder überflüssige Soli" auskäme. Mit dem Song "Space Cowboy" (1969) setzte Steve Miller schließlich ein erstes Ausrufezeichen und kündigte den Höhenflug in den 70er Jahren an.

Mit dem Album "The Joker" (1973) gelang dem US-Gitarristen der ganz große Durchbruch. Um Hits ging es dem eigenwilligen Steve Miller in erster Linie aber nicht. Während er an "The Joker" bastelte, arbeitete er gleichzeitig an einer Indianer-Rockmythologie und einem Blues-Album mit Weihnachtsliedern - nicht unbedingt potenzielles Charts-Futter.

Den Gipfel erklomm Steve Miller schließlich mit dem Album "Fly Like An Eagle" (1976), das neben dem Titelstück mit "Rock'n Me" und "Take The Money And Run" weitere Hits lieferte. Seine Trilogie der Hit-Alben schloss er schließlich mit dem Blockbuster "Book Of Dreams" (1977) und dem Hit "Jet Airliner" ab.

Danach zog sich der Musiker aus der Öffentlichkeit zurück. Der Erfolgsstress und die Nachwirkungen eines Autounfalls Anfang der 70er Jahre, der ihm beinahe das Leben gekostet hatte, legte Steve Miller eine Pause ein.

Die Erfolgssträhne riss trotzdem nicht ab. Mit seinem Album "Abracadabra" (1982) gelang ihm ein weiterer großer Wurf, der Titelsong bescherte ihm einen weltweiten Hit. In den folgenden Jahren sollte er daran nicht mehr anknüpfen können. Nach "Wide River" (1993) legte Steve Miller wieder eine längere Pause ein, um nach 17 Jahren mit "Bingo" (2010) wieder einzusteigen.

Ein eigenwilliger Musiker, der seine Meinung sagt, war Steve Miller immer schon gewesen. Als vor drei Jahren seine Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame bekannt gegeben wurde, sparte er nicht mit Kritik. Die Ruhmeshalle in Cleveland sei zu einem "exklusiven privaten Männerclub" geworden, sagte er der Zeitung "Milwaukee Journal Sentinel". "Aber sie werden alt und schwach, und es wird schwieriger für ihre Finger, die Hebel der Macht festzuhalten." Aber am Ende gab er sich versöhnlich: "Ich bin geehrt, aufgenommen zu werden", sagte er der Zeitung.