Seehausen l Das war der sprichwörtliche Schlag ins Kontor. Eigentlich wollten die Seehäuser Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung am Donnerstagabend über die Sanierung der Böschung an der Beustertorbrücke beraten, die das Land über das nach den Fluten 2013 aufgelegte Hochwasserschutzprogramm zu 100 Prozent fördern würde. Aber so sehr auch die Zeit drängt, weil die Mittel – in dem Fall gut 170 000 Euro – bis Ende 2020 abgerechnet sein müssen, ist das Alandufer an der Stelle mittlerweile das kleinste Problem.

Inzwischen ist es die Brücke am letzten erhaltenen Tor der Hansestadt, die Kommunalpolitikern und Bauverwaltung die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Denn unter dem jüngsten Brückengutachten, das alle sechs Jahre fällig ist, steht die Zustandsnote „4“. Doch während das bei den sechs Schulnoten zwischen „befriedigend“ und „mangelhaft“ immerhin noch für „ausreichend“ stehen würde, ist die „4“ die schlechteste Note, die Brückengutachter zu vergeben haben: Der Zustand ist „ungenügend“.

Die Dokumentation, die Dienstag an die Abgeordneten um Bürgermeister Detlef Neumann ausgeteilt wurde, hat es in sich. Der Beton bröckelt, Bewehrung und Träger rosten. Nach den Details folgt auf der letzten Seite des Berichts das vernichtende Urteil: Die Standsicherheit sei nicht mehr gegeben. Die Instandsetzung oder Erneuerung müsste eingeleitet werden. Und: „Aufgrund der vorliegenden massiven Schäden am Überbau sowie an den Unterbauten empfehlen wir, das Bauwerk sofort für jeglichen Verkehr (auch für Fußgänger) zu sperren.“

Dass die Brücke, die mit ihrem schmiedeeisernen Geländer als Baudenkmal eingestuft ist, nicht mehr ganz neuwertig ist, dürfte allen Beteiligten bekannt gewesen sein. Autos dürfen die Aland-Querung schon lange nicht mehr benutzen. Vor allem jüngere Seehäuser kennen die Brücke gar nicht ohne die Poller am Beustertor und am östlichen Flussufer.

Ob die Brücke sozusagen stehenden Fußes gesperrt werden müsste, darüber gingen die Meinungen auseinander. Die einen wollten für den Fall der Fälle jedem Risiko aus dem Weg gehen, andere fanden das überzogen. Eine Mehrheit war schließlich dafür, die Sache nicht zu dramatisieren und Fußgänger sowie Radfahrer vorerst weiter über die Beustertorbrücke zu lassen.

Aber das Thema bleibt brisant. Geld für eine Sanierung steht der Stadt auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung, ob eine Zwischensicherung machbar und bezahlbar ist, muss noch herausgefunden werden. Selbst ein Abriss steht inzwischen zur Debatte. Und während sich die Verantwortlichen noch mit der Beustertorbrücke beschäftigen, droht mit der Brücke an der Steinstraße flussaufwärts neues Ungemach. Das Niedrigwasser der beiden vergangenen Jahre hat am Mittelpfeiler Schäden zutage gebracht, die beseitigt werden müssten. Dazu steht dort demnächst das Pflichtgutachten an. Über den Ausgang wollte am Donnerstag niemand orakeln.