Seehausen l Seit vielen Jahren wird immer wieder kritisiert, dass der Seehäuser Bahnhof Menschen mit Handicap das Nutzen des Schienennetzes nicht unbedingt erleichtert. Wobei es nicht nur um körperliche Behinderungen geht. Auch Eltern mit Kindern, ältere Leute oder Reisende mit etwas mehr Gepäck haben mit holprigen Wegen, Straßenkanten und Treppen zu kämpfen.

DB und Nasa entscheiden

Inzwischen bekennen sich die Deutsche Bahn (DB) und die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) offenbar zum barrierefreien Ausbau des Haltepunktes. Vom eigentlichen Bahnhofsgebäude hat sich der Logistikkonzern schon 2016 im Rahmen einer Versteigerung getrennt.

Wie in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Soziales und Kultur des Stadtrates Seehausen am Dienstagabend in Erinnerung gerufen wurde, sind die Verhandlungen zur Rahmenfinanzierung zwischen DB und Nasa inzwischen so weit fortgeschritten, dass entsprechende Planungen beginnen können. Nach Vorgesprächen mit Vertretern von Kommune, Verwaltung oder des Stammtisches „Barrierefreies Seehausen“ soll sich die Stadt zu möglichen Varianten positionieren.

Das letzte Wort haben zwar DB und Nasa, weil die auch 90 Prozent der Kosten übernehmen. Aber beide Partner hätten signalisiert, nichts über die Köpfe der Kommune hinweg entscheiden zu wollen, versicherte Bürgermeister Detlef Neumann in der Ausschusssitzung.

Aufzüge nicht gewollt

Ob die Barrierefreiheit am Ende durch eine Rampe oder einen Fahrstuhl gesichert wird, ist eine Frage des Platzes und des künftigen Standortes des Haltepunktes. Wobei sich die Mitglieder des Fachgremiums relativ schnell darüber einig waren, Aufzüge aus den Planungen zu verbannen. Denn die Fahrstühle bieten zu wenig Platz, wenn mal ein Rettungseinsatz nötig wird oder Fahrräder, Kinderwagen, Rollstühle und sonst dergleichen sperrige Dinge im Zug mitgenommen werden müssen. Nicht zu vergessen die technische Anfälligkeit der Aufzüge und die Furcht vor Randalierern.

Für die Rampen-Variante würde sich ein Umzug des Haltepunktes an die Arendseer Straße anbieten, weil dort Reisende über den bestehenden Bahnübergang auf die andere Seite der Gleise kämen. Aber davon raten die Fachleute vor allem ab, weil die Verkehrsanbindung mit Bus und Pkw schwierig sei und in Stoßzeiten mit einigen Behinderungen gerechnet werden müsste.

Für den jetzigen Standort würde dagegen sprechen, dass das Umfeld über das Schnittstellenprogramm 25 Jahre nach dem Bau des Bahnhofsvorplatzes noch einmal neu gestaltet und aktuellen Erfordernissen angepasst werden könnte.

Direkt an den Gleisen würde es aber trotzdem eng für eine Rampe werden, die für eine nutzbare Neigung über eine gewisse Länge verfügen muss.

Rampe braucht viel Platz

Weshalb die Planer auch den Abriss des seit vielen Jahren ungenutzten Bahnhofsgebäudes ins Spiel bringen. Zumal das auch Raum für Parkplätze schaffen würde, der derzeit noch begrenzt ist. Wobei aus der Beschlussvorlage nicht deutlich wird, wie Reisende mit Handicap auf die andere Seite der Gleise kommen sollen.

Mit dem Eigentümer der Immobilie hat es offenbar auch noch keine Sondierungsgespräche gegeben, kritisierte Ausschussvorsitzender Walter Fiedler das Prozedere.